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Unternehmen Albion
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Unternehmen Albion war eine amphibische Landungsunternehmung des Deutschen Reiches im Rahmen des Ersten Weltkrieges, die gemeinsam von Heer und Marine im September und Oktober 1917 zur Besetzung der baltischen Inseln Saaremaa (Ăsel), Hiiumaa (Dagö) und Muhu (Moon) durchgefĂŒhrt wurde. Die drei Inseln waren Teil des Russischen Reiches und beherrschten strategisch die mittlere und nördliche Ostsee.
Contents
âą Vorgeschichte
âą Die Inseln
âą Planung
âą Heereseinheiten
⹠SeestreitkrÀfte
⹠SeestreitkrÀfte
âą Die Vorbereitung
âą Anmarsch
âą Angriff auf Moon
âą Nachwirkungen
âą Trivia
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Vorgeschichte
Der Seekrieg in der Ostsee war bislang eher unspektakulĂ€r verlaufen. Die kaiserlich russische Marine befand sich unmittelbar vor Kriegsausbruch noch im ersten Stadium eines Neuaufbaus, nachdem das Zarenreich im verlorenen Russisch-Japanischen Krieg fast seine gesamte Ostsee- und Pazifikflotte eingebĂŒĂt hatte. Die wenigen verbliebenen Einheiten waren meist klein oder veraltet, die russischen StreitkrĂ€fte in der Ostsee damit sehr schwach. Zudem war auch die Defensivstellung des Finnischen Meerbusen zum Schutz der Hauptstadt St. Petersburg, die Seefestung Imperator Peter der GroĂe, nur in Teilen fertiggestellt. Ihr Ă€uĂerster westlicher VerteidigungsgĂŒrtel bezog die baltischen Inseln und die Aland-Inseln mit ein. Die deutsche Kaiserliche Marine schien dagegen aus dem Vollen schöpfen zu können, jedoch lag der strategische Schwerpunkt der Operationen ganz klar in der Nordsee, wo die Ăbermacht der britischen Royal Navy drohte. Deshalb standen dem Oberbefehlshaber der OstseestreitkrĂ€fte (OdO) GroĂadmiral Prinz Heinrich von PreuĂen nur relativ wenige und meist veraltete Einheiten zur VerfĂŒgung, in der Hauptsache Ă€ltere Linienschiffe, Panzerkreuzer und Kleine Kreuzer sowie Torpedoboote. Die beiderseitige SchwĂ€che sowie die Unmöglichkeit der Seefahrt wĂ€hrend des Eisgangs der Wintermonate bestimmte die Strategie, beide Seiten unternahmen nur kurze VorstöĂe ins gegnerische Gebiet, und Gefechte zwischen sich zufĂ€llig begegnenden Kampfgruppen endeten meist unentschieden. Die Russen erbeuteten bereits zu Kriegsbeginn das Codebuch der deutschen SeestreitkrĂ€fte, was sowohl ihnen als auch den Briten die EntschlĂŒsselung deutscher FunksprĂŒche gestattete. Die Russen insbesondere nutzten ihre im letzten Krieg erworbene Erfahrung mit Seeminen und durchsetzten die flache Ostsee mit ausgedehnten Minenfeldern. Die Deutschen hatten sich ebenfalls fĂŒr den Minenkrieg eingerichtet und taten es ihnen nach, so dass die Ostsee ein ausnehmend gefĂ€hrliches GewĂ€sser wurde. Beide Seiten versuchten sich auch in U-Boot-Hinterhalten.
Entscheidenden Einfluss auf die SeekriegsfĂŒhrung hatte die Lage an Land. Die Deutschen rĂŒckten im Verlauf des Krieges unaufhaltsam entlang der OstseekĂŒste vor und eroberten nach und nach die russischen FlottenstĂŒtzpunkte im Baltikum, so dass der Aktionsradius der russischen Schiffe immer weiter schrumpfte. Bald schon konzentrierten sich die Gefechte auf den Rigaer Meerbusen, wo die Deutschen versuchten, ihre angreifenden Truppen von See her zu unterstĂŒtzen und zu versorgen. Die Russen trachteten danach, dies zu verhindern, und konzentrierten ihre Flotte in diesem Gebiet. Starken RĂŒckhalt empfingen sie dabei auch von ihren Basen im Finnischen Meerbusen, Hangö, Helsinki, Reval und Kronstadt.
Die Inseln
Die drei baltischen Inseln gehörten seit dem GroĂen Nordischen Krieg zu Russland und waren dem Gouvernement Livland zugeordnet. Das Land ist flach und mit WĂ€ldern und Mooren durchsetzt, unterbrochen von zahlreichen Lichtungen und Rodungen, auf denen Einzelhöfe, nicht weniger als 131 HerrenhĂ€user des deutschbaltischen Adels und kleine Dörfer liegen. Die mit Abstand gröĂte Siedlung war bereits damals Arensburg, wo auch die Verwaltung ihren Sitz hatte. Der gröĂte Teil der 50.000 bis 60.000 Personen zĂ€hlenden Bevölkerung, die ihr Auskommen meist als Bauern und Fischer bestritten, bestand aus Esten, Verwaltung, Oberschicht und Intelligenzija dagegen fast ausschlieĂlich aus Deutsch-Balten und einigen Russen. WĂ€hrend des Verlaufs der Unternehmung verhielt sich die Bevölkerung abwartend und ergriff fĂŒr keine Seite Partei.
Planung
Im Sommer 1917 waren die deutschen HeeresverbĂ€nde bis kurz vor Riga vorgerĂŒckt, und die russischen StreitkrĂ€fte standen infolge revolutionĂ€rer Unruhen und immer weiter zunehmender KriegsmĂŒdigkeit kurz vor der Auflösung. FĂŒr ein weiteres Vorgehen durch Estland und Lettland in Richtung Sankt Petersburg war es erforderlich, zuerst die Estland und Lettland vorgelagerten Inseln Ăsel, Dagö und Moon zu erobern, um die Flanke der vorrĂŒckenden Armeen vor russischen Angriffen von See her zu schĂŒtzen und die eigenen Truppen mit Hilfe der Flotte zu unterstĂŒtzen und ĂŒber den Seeweg zu versorgen. Prinz Heinrich hatte bereits lange eine amphibische Operation gegen die drei Inseln gefordert, um den russischen Operationsradius zu beschrĂ€nken und die Versorgungsschifffahrt im Rigaer Meerbusen zu unterbinden, war aber in den beiden vorangegangenen Jahren wegen der SchwĂ€che der ihm zur VerfĂŒgung stehenden StreitkrĂ€fte zugunsten ausgedehnter Minenoperationen davon abgerĂŒckt. Mit dem VorrĂŒcken der Front in dieses Gebiet erhielt die Einnahme der Inseln eine noch gröĂere Bedeutung. Russische KĂŒstenbatterien und Minenfelder in der Irben-StraĂe zwischen der SĂŒdspitze von Ăsel und dem lettischen Festland versperrten der deutschen Versorgungsschifffahrt den Weg in das Seegebiet und behinderten damit auch den Nachschub fĂŒr das Landheer. Eine rasche Eroberung der Inseln sollte Russland zum Friedensschluss drĂ€ngen, um die dort gebundenen deutschen und österreichisch-ungarischen VerbĂ€nde fĂŒr Offensiven im Westen freizumachen. Neben diesen strategischen ErwĂ€gungen gab es jedoch noch andere GrĂŒnde fĂŒr die Unternehmung. Zwischen Heer und Marine herrschte ein starkes Konkurrenzdenken, und jede Teilstreitmacht trachtete danach, ihr Ansehen beim Oberbefehlshaber Kaiser Wilhelm II. zu steigern und die andere auszustechen. Aus den Reihen des Heeres waren immer wieder VorwĂŒrfe der Feigheit gegen die Marine lautgeworden, die in der Nordsee einem ĂŒbermĂ€chtigen Gegner gegenĂŒberstand und nach der Skagerrakschlacht zugunsten der U-Boot-KriegsfĂŒhrung nur noch sporadisch Unternehmungen unter Beteiligung ihrer GroĂkampfschiffe durchfĂŒhrte. Bereits seit Mai 1917 sondierte der Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung (OHL) General der Infanterie Erich Ludendorff Möglichkeiten einer Beteiligung der Marine an Heeresoperationen gegen die Ă
landinseln, Kronstadt oder Ăsel, um nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten verstĂ€rkt Druck auf die russische Regierung auszuĂŒben. Die Ă
landinseln waren fĂŒr die OHL das vorrangige Ziel, von dort aus wollte man Unternehmungen in der nördlichen und östlichen Ostsee durchfĂŒhren, die Russland zum Friedensschluss bewegen sollten, um den Zweifrontenkrieg zu beenden. Der Admiralstab lehnte eine solche Operation zwar nicht rundweg ab, Ă€uĂerte jedoch Bedenken gegen eine fĂŒr ein solches Unternehmen erforderliche starke Konzentration von SeestreitkrĂ€ften in der Ostsee, die dann fĂŒr Operationen gegen GroĂbritannien fehlen wĂŒrden. Wenn ĂŒberhaupt eine solche Unternehmung in Frage kĂ€me, dann nur gegen das nĂ€her gelegene Ăsel. Das Heer begann daraufhin am 1. September 1917 den Ăbergang ĂŒber die DĂŒna und den Angriff gegen Riga ohne UnterstĂŒtzung der Marine, der mit einem schnellen Erfolg endete. Danach bezichtigte Ludendorff die Marine nicht nur der Feigheit, sondern auch des mangelnden Offensivgeistes. Der Admiralstab war nun bereit, eine Unternehmung gegen die Ă
landinseln zu unterstĂŒtzen, jedoch unter der Voraussetzung, dass zunĂ€chst Ăsel besetzt werden mĂŒsse. Mit dem Angriff gegen die stark befestigten Inseln hoffte die Marine, ihrerseits an Profil zu gewinnen und dem Vorwurf der Feigheit entgegenzuwirken, und die Besatzungen der zunehmend in UntĂ€tigkeit verharrenden GroĂkampfschiffe der Hochseeflotte, bei denen es Anfang August 1917 bereits zu Gehorsamsverweigerungen gekommen war, sollten mit einer sinnvollen Aufgabe beschĂ€ftigt werden. Zudem konnte eine Operation gegen ein so stark gesichertes Ziel nicht ohne UnterstĂŒtzung von Heereseinheiten durchgefĂŒhrt werden. Die Oberste Heeresleitung stimmte dem Vorschlag des Admiralstabes zu, und die Planung der Unternehmung konnte beginnen.cite-ref-gross-1-0[1]
Das Unternehmen, das den Decknamen Albion erhielt, sollte die bislang mit Abstand gröĂte amphibische Unternehmung deutscher StreitkrĂ€fte werden. Beide TeilstreitkrĂ€fte hatten noch niemals bei einer so bedeutenden Unternehmung zusammengearbeitet, und der Angriff auf ein so stark verteidigtes Ziel stellte enorme Anforderungen an die Einsatzplanung und die gegenseitige UnterstĂŒtzung. Die Angriffsplanung von Heer und Marine berĂŒcksichtigte die Erfahrungen der letzten Jahre. Durch die Schlacht von Gallipoli wusste man beispielsweise, wie sehr es zum einen auf eine Seestreitmacht ankam, die die umgebenden GewĂ€sser beherrschte, und zum anderen auf eine gute Koordination beider TeilstreitkrĂ€fte.
Der Entschluss zur DurchfĂŒhrung der Unternehmung fiel am 11. September 1917, eine Woche nachdem die deutschen Truppen Riga genommen hatten. Eine weitere Woche spĂ€ter erteilte die Oberste Heeresleitung die endgĂŒltigen Einsatzbefehle, und die benötigten Truppen und Schiffe begannen, sich in Libau zu sammeln. Die maĂgeblichen operativen Planungen auf deutscher Seite wurden vom Stab des Flottenkommandos unter FederfĂŒhrung von KapitĂ€n zur See Magnus von Levetzow konzipiert.cite-ref-gross-1-1[1]
Die deutschen StreitkrÀfte
Heereseinheiten
Das Heer stellte fĂŒr die Landung die 42. Infanterie-Division unter Generalleutnant Ludwig von Estorff zur VerfĂŒgung, die aus dem Infanterie-Regiment âGraf BarfuĂâ (4. WestfĂ€lisches) Nr. 17, dem 2. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 131, dem 3. Unter-ElsĂ€ssischen Infanterie-Regiment Nr. 138 sowie der 42. Feldartillerie-Brigade, bestehend aus dem Feldartillerie-Regiment âvon Holtzendorffâ (1. Rheinisches) Nr. 8 und dem 1. Ober-ElsĂ€ssischen Feldartillerie-Regiment Nr. 15, bestand. Ihr waren die selbstĂ€ndige 2. Infanterie-Radfahr-Brigade, das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 255 sowie weitere Artillerie-, Fernmelde-, Pionier- und Versorgungseinheiten beigegeben. Unter Letzteren befand sich die 1915 aufgestellte Pionier-Landungs-Kompanie Harburg (Pilako), die die flachgehenden Landungsboote betrieb. Sie bestand aus ehemaligen Seeleuten und arbeitete als einzige Heereseinheit wĂ€hrend des Krieges stĂ€ndig mit der Kaiserlichen Marine zusammen.cite-ref-2[2] Die Invasionsstreitmacht des Heeres unterstand der deutschen 8. Armee (General der Infanterie von Hutier), das Kommando der Landungstruppen fĂŒhrte der Kommandierende General des XXIII. Reserve-Korps, General der Infanterie Hugo von Kathen. Zusammen brachten es die eingesetzten Heereseinheiten auf etwa 24.500 Soldaten mit 8.500 Pferden, 2.400 Fahrzeugen sowie 150 Maschinengewehren, 54 GeschĂŒtzen und zwölf Minenwerfern nebst der dazugehörigen Munition. Sie brachten VorrĂ€te fĂŒr dreiĂig Tage mit.
SeestreitkrÀfte
Als Eskorte und zur UnterstĂŒtzung der Landungen wurde den Truppentransportern der Sonderverband Ostseecite-ref-3[3] zur Seite gestellt. Dieser setzte sich aus den in der VI. AufklĂ€rungsgruppe zusammengefassten bereits bestehenden OstseestreitkrĂ€ften, drei Kleinen Kreuzern und einem Minenkreuzer, zusammen, erweitert um die von der Hochseeflotte entliehenen III. und IV. Geschwader mit zehn modernen GroĂlinienschiffen sowie die II. AufklĂ€rungsgruppe mit fĂŒnf modernen Kleinen Kreuzern. Dazu kamen einundvierzig Torpedoboote und Zerstörer mit dem neuen Kleinen Kreuzer Emden als FĂŒhrungsschiff sowie zahlreiche Minensuch- und RĂ€umboote. Sechs deutsche U-Boote waren ebenfalls in das Gebiet beordert worden. Das Kommando fĂŒhrte Vizeadmiral Ehrhard Schmidt, Befehlshaber des I. Geschwaders, an Bord des Schlachtkreuzers Moltke, der als Flaggschiff des Landungsverbandes diente. Schmidt hatte bereits im August 1915 den Einbruch deutscher SeestreitkrĂ€fte in den Rigaer Meerbusen befehligt und war mit den lokalen Gegebenheiten vertraut. Als Stabschef stand ihm KapitĂ€n zur See von Magnus von Levetzow zur Seite.
Neben den Schiffseinheiten beorderte die Marine auch einen Teil ihrer Luftschiffe in das Gebiet, die fĂŒr LuftaufklĂ€rung sorgen und Bombenangriffe durchfĂŒhren sollten. Auch die I. Torpedoflugzeugstaffel in Windau beteiligte sich an den Operationen, und das Heer stellte ebenfalls zwei seiner Luftschiffe ab.cite-ref-4[4]
Sonderverband Ostsee:
âą Moltke, Flaggschiff (Vizeadmiral Ehrhard Schmidt)
âą III. Geschwader (Vizeadmiral Paul Behncke): König (Flaggschiff), Bayern, GroĂer KurfĂŒrst, Kronprinz, Markgraf
âą IV. Geschwader (Vizeadmiral Wilhelm Souchon): Friedrich der GroĂe (Flaggschiff), König Albert, Kaiserin, Prinzregent Luitpold, Kaiser
⹠AufklÀrungsstreitkrÀfte (Konteradmiral Albert Hopman, Befehlshaber der AufklÀrungsstreitkrÀfte in der östlichen Ostsee)
âą II. AufklĂ€rungsgruppe (Konteradmiral Ludwig von Reuter): Königsberg (Flaggschiff), Karlsruhe, NĂŒrnberg, Frankfurt, Danzig
âą VI. AufklĂ€rungsgruppe (Konteradmiral Albert Hopman): Kolberg (Flaggschiff), StraĂburg, Augsburg, dem Tender Blitz und Nautilus
Torpedoboote
âą Emden (Kommodore Paul Heinrich, I. FĂŒhrer der Torpedoboote (I FdT)) (Flaggschiff)
⹠II. Flottille: B 98 (KorvettenkapitÀn Oskar Heinecke)
⹠3. Halb-Flottille (KapitÀnleutnant Hans Kolbe): G 101 (Flaggschiff), V 100, G 103, G 104
⹠4. Halb-Flottille (KorvettenkapitÀn Rudolf Faulborn): B 109 (Flaggschiff), B 97, B 110, B 111, B 112
⹠VI. Flottille: V 69 (KorvettenkapitÀn Werner Tillessen)
⹠11. Halb-Flottille (KorvettenkapitÀn Rudolf Lahs): V 43 (Flaggschiff), V 44, V 45, V 46, S 50
⹠12. Halb-Flottille (KorvettenkapitÀn Konrad Zander): V 82 (Flaggschiff), S 61, S 63, S 64, V 74
⹠VIII. Flottille: V 180 (KorvettenkapitÀn Kurt Nieden)
⹠15. Halb-Flottille (KapitÀnleutnant August Vollheim): V 183 (Flaggschiff), V 181, V 182, V 184, V 185
⹠16. Halb-Flottille (KapitÀnleutnant Hans Stohwasser): S 176 (Flaggschiff), G 174, S 178, S 179, V 186
⹠X. Flottille: S 56 (KorvettenkapitÀn Paul Hundertmarck)
⹠19. Halb-Flottille (KapitÀnleutnant Wilhelm Rebensberg): T 170 (Flaggschiff), T 169, T 172, G 175, T 165
⹠20. Halb-Flottille (KapitÀnleutnant Diether Roeder von Diersburg): V 78 (Flaggschiff), S 65, S 66, V 77, G 89
⹠7. Halb-Flottille (KorvettenkapitÀn Ralph Graf von der Recke-Volmerstein): T 154 (Flaggschiff), T 139, T 140, T 143, T 145, T 151, T 157, T 158, T 160
⹠SM Gleitboot (Oberleutnant zur See Georg Peytsch) (eigenstÀndiges Kommando aber der 7. THFl angegliedert)
U-Boote
MinenrÀumkrÀfte
⹠Sperrbrechergruppe (KorvettenkapitÀn der Seewehr Alexander Simonsen): Rio Pardo, Lothar, Schwaben, Glatz
⹠II. Minensuch-Flottille: A 62 (KapitÀnleutnant Doflein).
âą II./3. Minensuch-Halbflottille (KapitĂ€nleutnant Rolf von der Marwitz): T 136 (FĂŒhrerboot), M 67, M 68, M 75, M 76, M 77, T 59, T 65, T 68, T 82, T 85.
âą II./4. Minensuch-Halbflottille (KapitĂ€nleutnant Maxim von Zitzewitz): T 104 (FĂŒhrerboot), T 53, T 54, T 55, T 56, T 60, T 61, T 62, T 66, T 67, T 69.
âą II./8. Minensuch-Halbflottille (KapitĂ€nleutnant Erich Koellner): M 64 (FĂŒhrerboot), M 11, M 31, M 32, M 39, A 35.
⹠I. MinenrÀum-Division (Riga) (KapitÀnleutnant Kurt Astheimer): 11 Fahrzeuge (Leichter, Schuten oder Motorboote).
⹠II. MinenrÀum-Division (KorvettenkapitÀn August Altvater): Tender Ammon, 12 Fahrzeuge.
⹠III. MinenrÀum-Division (KapitÀnleutnant Franz Weidgen): Tender Indianola, 12 Fahrzeuge.
⹠IV. MinenrÀum-Division (KapitÀnleutnant der Reserve der Matrosenartillerie Karl Kipke): Tender Hochkamp, Wachboot O2, 10 Fahrzeuge.
âą KĂŒstenschutzhalbflottille Ost (Oberleutnant zur See der Reserve Rudolf Nordman): 6 Fischdampfer.
âą Vorpostenhalbflottille West / 3. Halbflottille der TorpedobootstreitkrĂ€fte (KorvettenkapitĂ€n Walter Goethe): T 141 (FĂŒhrerboot), Hilfsschiffe Fiora und Primula, 15 Motorboote.
U-JagdkrÀfte
âą Such-Flottille Ostsee (FregattenkapitĂ€n Hugo von Rosenberg): T 144 (FĂŒhrerboot)
âą 1. Such-Halbflottille (KapitĂ€nleutnant der Reserve Otto Sach): T 142 (FĂŒhrerboot), A 28, A 30, A 32, 32 bewaffnete Fischereifahrzeuge
âą 2. Such-Halbflottille (KapitĂ€nleutnant der Seewehr Johann Wahlen): T 130 (FĂŒhrerboot), A 27, A 29, A 31, 24 bewaffnete Fischereifahrzeuge
⹠Netzsicherungsgruppe Ostsee (KorvettenkapitÀn Ludwig Kaulhausen): Netzleger Burgfried, Dampfer Eskimo, Rossal, 6 Schlepper und mehrere Leichter
⹠Vorpostenhalbflottille Ost (KapitÀnleutnant der Reserve Friedrich Harder): 6 bewaffnete Fischereifahrzeuge
Tross-Verband (KapitÀn der Seewehr Sachse): T 132 (Verbindungsboot)
âą 4 Lazarettschiffe: Imperator, Kehrwieder, Titania, Viola, 4 Munitionstransporter, Verpflegungstransporter: Castor, Coburg, Kohlenschiff Adeline Hugo Stinnes 3, 1 Ăltransporter, 1 Wassertransporter, Werkstattschiff Donau, Kabelleger Alster, Bojenleger Wilhelms, Mellum, 3 Motorboote.
Bergungsgruppe
âą 4 Schlepper und Pumpenschiffe, 7 Schlepper fĂŒr Landungszwecke, darunter Netter, Falkenstein, JĂ€gersburg, Wilhelm Cords, Stein, Sturm, 8 leichte Fahrzeuge, 10 Leichter, Blockschiffe City of Belfast, City of Cadiz
Truppentransporter (FregattenkapitÀn Hans-Carl von Schlick):
⹠1. Sektion (FregattenkapitÀn Max Fischer): Transporter Chemnitz, Cassel, Batavia, Friedrichsruh
⹠2. Sektion (KapitÀnleutnant Ernst Wather): Transporter Oron, Sangara, Coralie Hörlock, Borderland
âą 4. Sektion (KorvettenkapitĂ€n Bruno GlĂŒer): Transporter Bahia Castillo, Giessen, Schleswig, Badenia, Oswald (Pionierschiff), Altenburg (Reserve)
âą Pionierschiffe: Equity, Corsica
(zusammen 19 Truppentransportschiffe mit insgesamt 153.664 BRT)
LuftstreitkrÀfte
⹠Luftschiffe (KorvettenkapitÀn Hans Wendt): L30, L37, LZ 113, LZ 120, SL8, SL20
⹠LuftstreitkrÀfte des Sonderverbands Ostsee (KapitÀnleutnant Hermann Berthold): 81 Wasserflugzeuge und 16 Flugzeuge von den Seefliegerstationen in Libau, Windau und Angernsee
âą I. Torpedoflugzeugstaffel (Leutnant zur See Max Stinsky)
âą Jagdstaffel der 8. Armee (Leutnant Roth)
âą Marine-Landjagdstaffel (Reserve) (Leutnant der Reserve der Matrosenartillerie Lothar Wieland)
âą Flugzeugmutterschiff Santa Elena (Oberleutnant zur See Karl Holzapfel): 4 Wasserflugzeuge
Die russischen StreitkrÀfte
Heereseinheiten und KĂŒstenartillerie
Die russische FĂŒhrung kannte die strategische Bedeutung der baltischen Inseln und hatte mit einem Landungsversuch gerechnet. Zumindest in der Theorie waren sie auch recht gut geschĂŒtzt, und dem Kommandeur der Garnison Kontreadmiral Dmitri Alexandrowitsch Sweschnikow stand allein auf Ăsel und Dagö die 107. russische Infanteriedivision (Brigadegeneral Fjodor Matwejewitsch Iwanow) mit den drei Infanterieregimentern 425 âKargopolskiâ, 426 âPowenetskiâ und 427 âPudoschskiâ zur VerfĂŒgung. AuĂerdem war der Division dort noch das zur 118. Infanteriedivision gehörende Infanterieregiment 472 âMassalskiâ sowie das Infanterieregiment 470 âDankowskiâ und das Hauptquartier der 118. Infanteriedivision unterstellt. Der Division waren zwei Feldartilleriebrigaden mit 96 FeldgeschĂŒtzen beigegeben. Zusammen erreichten die vier Regimenter der 107. Division eine SollstĂ€rke von 24.000 Mann, die in gut befestigten Stellungen lagen, und auf dem nahegelegenen Festland lagen weitere Einheiten, die im Angriffsfall hinzugezogen werden konnten. Allerdings war die tatsĂ€chliche StĂ€rke der Garnison geringer, und die Moral der Truppen war durch die fortgesetzten Niederlagen zu Lande und die revolutionĂ€ren Unruhen stark beeintrĂ€chtigt. Aus Aufzeichnungen und Korrespondenz der Offiziere geht jedoch hervor, dass auch die offiziellen Zahlen womöglich weit ĂŒber dem tatsĂ€chlichen Bestand lagen. Beispielsweise wird in einem Brief die StĂ€rke des 472. Infanterieregiments mit etwa 1440 statt 2435 Mann SollstĂ€rke angegeben.cite-ref-5[5] Die Befehlsgewalt der Offiziere war durch die Einrichtung der zahlreichen SoldatenrĂ€te gehemmt, welche ebenfalls Einfluss auf die Truppe nahmen und angesichts der sich verschlechternden Kriegslage oftmals als gefĂ€hrlich empfundene MaĂnahmen, egal ob wichtig oder unwichtig, ablehnten, um das Leben der Mannschaften zu schonen.cite-ref-6[6] Angeblich waren Moral und Organisation des 472. Infanterieregiment so stark geschwĂ€cht, dass sich Mannschaften und Offiziere an PlĂŒnderungen beteiligten, was das russische Oberkommando dazu bewog, das angeblich sogar in noch schlechterer Verfassung befindliche 470. Infanterieregiment auf dem Festland zu belassen.cite-ref-7[7]
Ein starker Aktivposten war die KĂŒstenartillerie, denn der gesamte Archipel war seit Kriegsbeginn mit einer Vielzahl von KĂŒstenbatterien befestigt worden, die neben 48 GeschĂŒtzen ĂŒber 15 cm allein 25 Einheiten 7,5 cm-GeschĂŒtze sowie zahlreiche kleinere Waffen aufboten. Auf Ăsel standen acht KĂŒstenbatterien an strategischen Punkten, Dagö verfĂŒgte ĂŒber vier weitere.
Schwerpunkte der Verteidigung waren die SĂŒdspitze der Halbinsel Sworbe sowie die Nordspitze von Dagö am Kap Lechtma. Am SĂŒdende Ăsels, dem Kap Zerel, waren gleich mehrere Batterien mit verschiedenen Bestreichungswinkeln und Kalibern eingerichtet worden, um den Eingang der Irben-StraĂe abzudecken, die zusammen 4 Ă 30,5 cm, 4 Ă 13 cm und 4 Ă 12 cm umfassten. Ăhnlich stark armiert waren die Batterien am Kap Lechtma mit 4 Ă 30,5 cm und 4 Ă 12 cm, die den Eingang zum Finnischen Meerbusen bewachten. Die sĂŒdliche MĂŒndung des Moonsundes wurde von drei schweren Batterien mit zusammen fĂŒnf 25 cm und vier 15,2 cm-GeschĂŒtzen geschĂŒtzt. Dazu traten noch die ausgedehnten Minenfelder, die insbesondere die Irben-StraĂe und den Moonsund versperrten und allein in der Irben-StraĂe mindestens 10.000 Minen umfassten. Die Garnison hatte auĂerdem das Wegenetz auf Ăsel stark verbessert und eine Reihe von festen StraĂen angelegt, die schnelle Truppenbewegungen gestatteten.cite-ref-8[8]
SeestreitkrÀfte
Der Kriegsausbruch hatte die russische Flotte in einer Phase der SchwĂ€che getroffen. Zwar waren nach dem verlorenen Krieg gegen Japan und der nachfolgenden Revolution von 1905 einige neue Schiffe fertiggestellt worden, die aber nach dem Beginn der Dreadnought-Ăra veraltet waren. Russland hatte auch darauf reagiert und die vier Dreadnoughts der Gangut-Klasse in Bau gegeben, die mittlerweile trotz Verzögerungen einsatzbereit waren. AuĂerdem lagen vier weitere GroĂkampfschiffe der Borodino-Klasse auf Stapel. Der Bau neuer Schiffseinheiten war jedoch durch den Verlust der StĂŒtzpunkte und Werften an der OstseekĂŒste stark behindert, und vor dem Krieg in Deutschland bestellte Einheiten und Maschinen waren von der Kaiserlichen Marine beschlagnahmt worden. Auch der gravierende Mangel an eigener Industrie behinderte im Zusammenwirken mit der Blockade Russlands durch die MittelmĂ€chte den Schiffbau.
Ein weiteres Hindernis stellte die beginnende Revolution dar, und der Misserfolg der Kerenski-Offensive hatte die ohnehin bereits schwache Kampfmoral der Soldaten noch weiter erschĂŒttert. Meutereien hatten die Flotte gelĂ€hmt, und die Matrosen ermordeten einige hohe Offiziere und bildeten wie auch die Armee zahlreiche SoldatenrĂ€te. Ein groĂer Teil der russischen Baltischen Flotte lag unter dem Kommando des obersten Soldatenrates Zentrobalt in Kronstadt und Reval fest, darunter auch die Erste Schlachtschiffbrigade mit den kampfkrĂ€ftigen Schiffen der Gangut-Klasse. Der Mangel an erfahrenen Offizieren und der disziplinschĂ€digende Einfluss der SoldatenrĂ€te sorgten dafĂŒr, dass der Kampfwert und auch die Kampfmoral der Flotte stetig dahinschwanden.
Immerhin standen den Russen einige kampfkrĂ€ftige Schiffe zur VerfĂŒgung, die von den revolutionĂ€ren Unruhen nur wenig betroffen waren und ĂŒber gut ausgebildete und kampferfahrene Mannschaften verfĂŒgten. Der sehr flache Moonsund und die umliegenden GewĂ€sser behinderten die Unternehmungen groĂer Kampfschiffe erheblich, doch hatte die MarinefĂŒhrung immerhin einen Kanal ausbaggern lassen, der vom Finnischen Meerbusen bis in den Sund fĂŒhrte und der mit neun Metern Wassertiefe ausreichend fĂŒr die dort eingesetzten schweren Schiffseinheiten war â nicht jedoch fĂŒr die russischen oder deutschen Dreadnoughts oder die neueren Linienschiffe der Andrej-Perwoswanni-Klasse. Auch kannten die Russen im Rigaer Meerbusen einige Passagen, die den Deutschen zunĂ€chst verborgen bleiben mussten. Das Linienschiff Slawa war den gegnerischen GroĂkampfschiffen in Sachen Bewaffnung, Panzerschutz und Geschwindigkeit zwar unterlegen, konnte jedoch dank eines Umbaus der schweren GeschĂŒtztĂŒrme 1916 mit einer ĂŒberlegenen Reichweite der schweren GeschĂŒtze aufwarten. Der Mangel an Kreuzern wurde auf russischer Seite durch die zahlreichen modernen Zerstörer der Nowik-Klasse teilweise ausgeglichen, und drei gepanzerte Kanonenboote mit 15,2 cm-GeschĂŒtzen sollten sich in den flachen GewĂ€ssern als wertvolle Hilfe erweisen. Das Kommando ĂŒber die in der Rigabucht-Operationsgruppe zusammengefassten Einheiten fĂŒhrte Vizeadmiral Michail Bachirew, ein fĂ€higer und erfahrener Offizier. Als Chef seines Stabes fungierte KapitĂ€n Zweiten Ranges Muromtsew.cite-ref-9[9]
SeestreitkrÀfte in der Rigaer Bucht (Vizeadmiral Bachirew):
âą Linienschiffe: Slawa, Graschdanin
Zerstörergruppe
âą FĂŒhrungsschiff: Nowik (Admiral Juri Stark)
⹠I. Torpedobootzerstörer-Division (KapitÀn 2. Ranges Pilsudski): Grom, Pobeditel, Sabijaka.
⹠II. Torpedobootzerstörer-Division (Kontreadmiral Stark): Desna, Samson, Leitenant Iljin, Kapitan Izylmedew.
⹠III. Torpedobootzerstörer-Division (KapitÀn 1. Ranges Shekelew): Avtroil, Isjaslaw, Gawriil, Konstantin.
⹠IV. Torpedobootzerstörer-Division (KapitÀn 1. Ranges Postelnikow): General Kondratenko, Progranitschnik.
⹠V. Torpedobootzerstörer-Division (KapitÀn 1. Ranges Ekimow): Donskoi Kasak, Stereguschtschi, Turkmenez-Stawropolski, Woiskowoi, Sabaikalez, Ukraina (ab 14. Oktober), Straschny (ab 16. Oktober).
Zugeteilte Hilfsschiffe
âą Petschora, Transporter Oka, Libau (Hauptquartier-Division), Vodolej Nr. 1
âą Blockschiffe: Lawa (Lazarettschiff), Minenleger Nr. 4
âą Barkassen: Dozornyi, Ilim, Moryak
âą III. Wachschiff-Division
âą Dampfbarkassen No. 1, No. 2 No. 3, No. 4
âą Motorbarkassen No. 2, No. 3, No. 8, No. 9
âą Tender Tralschtschik No. 12
Britische U-Boote
âą C26, C27 und C32
PatrouillenkrÀfte und Wachschiffe
âą VIII. Torpedoboot-Division: Likhoi (ab 15. Oktober)
âą IX. Torpedoboot-Division: Dyeyatelni, Dyelni, Gromyaschi, Razyashchi, Silni, Storozhevoi (ab 14. Oktober)
âą II. Wachschiff-Division (Meldereinheit) (Senior-Leitenant Beklemishew): Barsuk, Gornostai, Vydra
âą III. Wachschiff-Division (Meldereinheit): Khorek, Laska
âą 5 Hilfs-Patrouillendivisionen mit 29 Fahrzeugen und 2 Hilfsschiffen
MinenrÀumkrÀfte
⹠5 MinenrÀum-Divisionen mit 13 Fahrzeugen
⹠2 Motorboot-MinenrÀum-Divisionen mit 6 Fahrzeugen und 1 Hilfsschiff
Minenleger-Detachement Ostsee
âą Minenleger Amur, Volga
Flachgehendes Minenleger-Detachement
âą Drei flachgehende Minenleger, darunter Pripyat
Detachierte Einheit fĂŒr die Luftdivision:
âą Schlepper Avion
Transportdivision Ostsee
âą III. Transportdetachement
Dampfer General Zimmermann
âą VI. Transportdetachement
Obsidian, Vassian, detachierter Transporter Buki, Kohlenschiffe Glagol, On, Pokoj, KĂŒhlschiff Sukhoma, Sondertransporter Vodolej No. 2
âą Lotsen- und Leuchtfeuerdienst Ostsee
Transporter Artelschtschik, Samoed, Hafenschiff Brigitowka
Daneben standen den Verteidigern auch etwa 50 Wasserflugzeuge und Flugboote zur VerfĂŒgung, die von den LuftstĂŒtzpunkten in Arensburg, Lewall und Papensholm aus operierten. Dazu traten zehn aus Nieuport-Typen bestehende Land-Jagdflugzeuge. Auch ihre Kampfkraft war aufgrund der Revolution stark eingeschrĂ€nkt.
Die Vorbereitung
Bereits am 24. September lagen die fĂŒr die Unternehmung bereitgestellten Schiffe und Truppen an ihren Ausgangspositionen. Die schweren Einheiten des III. und IV. Geschwaders befanden sich im Putziger Wiek, die II. AufklĂ€rungsgruppe in Windau, wĂ€hrend die Transporter und ihre Eskorten sich in Libau sammelten. Eine ausgedehnte Schlechtwetterperiode behinderte jedoch bis Anfang Oktober die Operationen, so dass sich der Beginn des Landungsunternehmens entsprechend verzögerte. Auch die vorgesehenen vorbereitenden Luftangriffe konnten deshalb erst am 1. Oktober beginnen. Bis zum 10. Oktober flogen die deutschen LuftstreitkrĂ€fte zahlreiche Bombenangriffe vor allem gegen die KĂŒstenbefestigungen, die auch einige SchĂ€den anrichteten. In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober wurde eines der Magazine der schweren Batterie Zerel durch ein von Bombentreffern ausgelöstes Feuer zur Explosion gebracht. Die Batteriebesatzung erlitt dabei schwere Verluste (mehr als 110 Tote, darunter der Batteriekommandeur, und 60 Verletzte), und der Verlust eines groĂen Teiles der Munition schwĂ€chte die Schlagkraft der Batterie betrĂ€chtlich. Auch deutsche Torpedoflugzeuge, die noch in der experimentellen Phase steckten, flogen Angriffe gegen Versorgungsschiffe, erzielten aber keine Treffer.cite-ref-10[10] Gegen sie wurde auch das mit einem einzelnen 45-cm-Torpedo bewaffnete Gleitboot unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Peytsch angesetzt und lief am 10. Oktober um 15 Uhr von Libau aus. Kurz nach der letzten Sichtung vom Leuchtturm Michaelsturm nahe Pissen aus beobachtete die Batterie nahe Gross Irben eine Explosion, danach blieb das Boot verschollen. Vermutlich war es einer Mine oder einer Explosion an Bord zum Opfer gefallen.cite-ref-11[11] Die Luftschiffe waren ebenfalls an den Angriffen beteiligt, bereits in der Nacht vom 24. auf den 25. September belegten die Heeresluftschiffe LZ 113 und LZ 120 die Batterie Zerel mit Bomben. Am 1. Oktober fĂŒhrten LZ 120 und die Marineluftschiffe L30 und L37 Ablenkungsangriffe im östlichen Teil des Rigaer Meerbusens durch, sie bombardierten die unzureichend verteidigten HĂ€fen Sophienruhe und SalismĂŒnde und trafen kaum auf Widerstand. Schlechtes Wetter verhinderte jedoch weitere Unternehmungen der Luftschiffe, die eigentlich den VorstoĂ der Flotte durch AufklĂ€rungsflĂŒge decken sollten.
Der Angriffsplan gegen Ăsel sah vor, die Transporterflotte und ihre Eskorten im Schutz der Nacht bis zur Tagga-Bucht im Nordwesten der Insel zu bringen und dort in der MorgendĂ€mmerung ĂŒberraschend Pioniereinheiten zu landen. Eine weitere flankierende Landung war im etwas weiter östlich gelegenen Pamerort vorgesehen. WĂ€hrend die vier Infanterieregimenter nach SĂŒden und Osten vorrĂŒckten, sollte die Infanterie-Radfahrerbrigade, unterstĂŒtzt durch ein spezielles Sturmbataillon, schnell nach Osten zum Verbindungsdamm nach Moon vorstoĂen und ihn blockieren. So hoffte man, die russische Garnison am Entkommen zu hindern und gefangenzusetzen. Um die Hauptstadt Arensburg wurde russischer Widerstand erwartet, so dass die Masse der Landungstruppen zunĂ€chst dorthin marschieren sollte. Ein Durchbruch durch die gut geschĂŒtzte Irben-StraĂe wurde aufgrund der dort befindlichen starken KĂŒstenbefestigungen und dichten Minenfelder zunĂ€chst als zu riskant verworfen. Dennoch sollten die dortigen Minenfelder so frĂŒh als möglich gerĂ€umt werden, um spĂ€tere Operationen im Inneren der Bucht zu ermöglichen. Bereits Anfang Oktober begannen die deutschen MinenrĂ€umer daher damit, die Minensperren in der Irben-StraĂe zu beseitigen. Dabei wurden zahlreiche MinenrĂ€umboote sowie das Hilfsschiff Cladow beschĂ€digt, mehrere Boote gingen verloren. Die Tagga-Bucht war nicht so stark verteidigt, bot einen guten Landeplatz und genug Raum zum Ankern und Manövrieren fĂŒr die schweren Schiffseinheiten und Transportschiffe. Zudem konnten hier Netzsperren ausgebracht werden, um die Flotte gegen U-Boote zu schĂŒtzen. Der Anmarschweg dorthin war allerdings ebenfalls minenverseucht und musste vorher gerĂ€umt werden.
Bei der Marine war vorgesehen, den VorstoĂ gegen Ăsel rasch und ohne vorherige langwierige MinenrĂ€umoperationen durchzufĂŒhren, um den Gegner ĂŒberraschen zu können. Prinz Heinrich sprach sich zwar gegen diese Taktik aus, weil er hohe Verluste fĂŒrchtete, wurde aber vom Oberbefehlshaber der Hochseeflotte Admiral Scheer ĂŒberstimmt. Sobald die AngriffsrĂ€ume erreicht waren, sollten die Schlachtschiffe mit ihrer schweren Artillerie vor der Landung der Heerestruppen die gegnerische KĂŒstenartillerie zum Schweigen bringen, die Verteidiger bei der Landung niederhalten und Angriffe zur See abwehren. Torpedoboote und Kreuzer sollten gegnerische leichte SeestreitkrĂ€fte in den engen und seichten GewĂ€ssern abhalten, den Landungsschiffen dichter unter Land FeuerunterstĂŒtzung bei der Landung geben und die eigenen MinenrĂ€umer bei der Arbeit schĂŒtzen.
Russische Verteidigungsplanung
Der Kommandeur General Iwanow kannte die Inseln und möglichen LandeplĂ€tze gut. Das von ihm zu schĂŒtzende Gebiet war groĂ, und er hatte lĂ€ngst nicht genug MĂ€nner und Material, um alle potentiellen Landezonen zu bewachen, geschweige denn zu verteidigen. Eine VorwĂ€rtsverteidigung zum völligen Verhindern einer Landung wĂ€re so wenig erfolgversprechend gewesen. Stattdessen entschied er sich fĂŒr eine Verzögerungstaktik, um die Deutschen nach der Landung so lange wie möglich aufzuhalten und die entscheidenden KĂŒstenbatterien zu schĂŒtzen, bis VerstĂ€rkung vom Festland eintraf. Dann wĂ€re es möglich, die Angreifer bis zum Wintereinbruch und dem Zufrieren des Meeres festzuhalten und einen Einbruch der gegnerischen Flotte in die GewĂ€sser um die Inseln zu verhindern. Ein Vormarsch im Inneren der Insel war nur ĂŒber die von den russischen StreitkrĂ€ften neu angelegten StraĂen möglich, die zwischen schwer passierbarem Sumpf- und Waldland hindurchfĂŒhrten. Sperren auf diesen StraĂen und Kreuzungen wĂŒrden die Angreifer Zeit kosten, da sie praktisch nur im Frontalangriff zu nehmen waren. Dies sollte den Verteidigern ein schrittweises, kontrolliertes ZurĂŒckgehen ermöglichen, die ihrerseits auf den verbliebenen StraĂen rasch ihre KrĂ€fte umdisponieren konnten. Entsprechend wurde der Westen Ăsels in drei Verteidigungszonen aufgeteilt, die mit jeweils einem Regiment besetzt wurden. Einen Abschnitt (426. Regiment) bildete der Nordwesten der Insel um die Tagga-Bucht und die Mustel-Bucht, wo eine Landung am wahrscheinlichsten war. Dort wurde die Basis der Halbinsel Hundsort mit Grabenlinien befestigt. Einen weiteren Abschnitt bildete die Halbinsel Sworbe, wo das 425. Regiment im Fall einer Landung hinter Feldbefestigungen zurĂŒckbleiben sollte, um die SchlĂŒsselstellung auf Kap Zerel zu schĂŒtzen, wo die schwere Batterie ein Passieren der IrbenstraĂe und ein RĂ€umen der dort angelegten Minenfelder verwehrte. Dazwischen lag das Reserveregiment (472.) an der StraĂe bei Kergel, um im Fall einer Landung rasch Hilfe leisten zu können. Entscheidend fĂŒr die Strategie war, schrieb Iwanow, dass die Deutschen keinesfalls weiter östlich vorankommen durften als zum Moondamm, damit die Verbindung zum Festland offenblieb.cite-ref-12[12] Sowohl General Iwanow als auch Admiral Sweschnikow hatten weitere StraĂensperren, Befestigungen, Beobachtungsposten und Batterien geplant, doch fehlten ihnen die Mittel, um diese MaĂnahmen umzusetzen. Beide bemĂŒhten sich vergebens um mehr Soldaten und Arbeiter.cite-ref-13[13] Der russische Geheimdienst SNIS war ĂŒber die Planungen und Bewegungen der Deutschen gut informiert. Vermutlich stammten diese Informationen aus entschlĂŒsselten deutschen FunksprĂŒchen. Vizeadmiral Bachirew erhielt bereits am 24. September erste Vorwarnungen ĂŒber eine bevorstehende gröĂere deutsche Unternehmung und gab sie auch an die anderen Kommandeure weiter. Ab dem 3. Oktober war bekannt, dass die Deutschen eine Landung auf Ăsel planten, und am 10. Oktober erging eine Warnung fĂŒr den Beginn einer deutschen Angriffsunternehmung in der Ostsee am 11. Oktober. Das britische U-Boot E1 sichtete zwar vor Libau die auslaufenden Transportschiffe, maĂ dem Vorfall jedoch keine besondere Beachtung und meldete ihn auch nicht weiter.cite-ref-14[14]
Anfangsphase der Unternehmung
Anmarsch
Nach der eingetretenen Verzögerung durch schlechtes Wetter begann der Angriff schlieĂlich am 11. Oktober 1917. Am Abend des 10. Oktober verlieĂen die schweren Einheiten den Putziger Wiek und vereinigten sich wĂ€hrend der Nacht mit den Einheiten aus Windau, und die StĂ€be des Heeres gingen an Bord des Flaggschiffs Moltke. Am Nachmittag stieĂen die Transportschiffe hinzu, und der Angriffsverband bewegte sich in vier Kolonnen mit neun Knoten Geschwindigkeit nach Norden, wĂ€hrend die MinenrĂ€umverbĂ€nde im Vorfeld Gassen durch die Minensperren bahnten. WĂ€hrend der Nacht nahm der Seegang zu, was die Arbeit der MinenrĂ€umer störte, und die dichten Minenfelder konnten nicht rechtzeitig unschĂ€dlich gemacht werden, so dass der Zeitplan durcheinanderzugeraten drohte. Vizeadmiral Schmidt befĂŒrchtete, den Ăberraschungseffekt zu verlieren, so dass er schlieĂlich befahl, trotz der Gefahr fĂŒr die schwer beladenen Transporter und die kostbaren GroĂkampfschiffe ohne MinenrĂ€umerunterstĂŒtzung schnell ins Einsatzgebiet vorzustoĂen. Obwohl die Schiffe mitten durch ein Minenfeld liefen, gab es keine ernsthaften SchĂ€den. Lediglich die Corsica, einer der kleinen Dampfer, welche die Pioniere beförderten, lief gegen 5 Uhr morgens auf eine Mine und wurde schwer beschĂ€digt. Besatzung und eingeschiffte Truppen wurden von Torpedobooten ĂŒbernommen, und das Schiff wurde in flachem Wasser auf Grund gesetzt, um Reparaturen durchzufĂŒhren.cite-ref-15[15]
Beginn der Landung
12. Oktober 1917
Am frĂŒhen Morgen erreichte der Landungsverband den Angriffsraum. Beim Einnehmen der Bombardementpositionen kurz nach 5 Uhr morgens erhielten die Schlachtschiffe Bayern und GroĂer KurfĂŒrst Minentreffer. Die GroĂer KurfĂŒrst wurde nur leicht beschĂ€digt, 280 Tonnen Wasser drangen in den Wallgang und einige Kohlenbunker ein. Auf der Bayern dagegen lief der Bugtorpedoraum voll, mit 1.000 Tonnen Wasser im Vorschiff musste sie sich spĂ€ter zurĂŒckziehen. Beide Schiffe fĂŒhrten jedoch die ihnen zugewiesenen Bombardements durch und brachten zusammen mit den anderen schweren Schiffen und den Kreuzern die russischen Batterien zum Schweigen. Alsbald lagen die deutschen Transportschiffe vor der Tagga-Bucht auf der Insel Ăsel und begannen mit dem Ausschiffen der Truppen. Die Angriffstruppen setzten sich zusammen aus dem Infanterieregiment 131 (Oberstleutnant Fischer), dem Reserve-Infanterie-Regiment 255 (Oberst Berring) und der 65. Infanteriebrigade (Oberst Matthiass), in denen die Infanterieregimenter 17 und 138 zusammengefasst waren. Ihnen beigegeben waren die 2. Radfahrer-Infanteriebrigade und ein Bataillon Sturmtruppen. Obwohl sich herausstellte, dass die Russen von der bevorstehenden Landung durch abgefangene deutsche FunksprĂŒche Kenntnis erhalten hatten, gelang die Ăberraschung. Es zeigte sich, dass die russischen Soldaten zwar bereits seit Ende September von der bevorstehenden deutschen Landung unterrichtet waren, doch der bestĂ€ndige Alarmzustand der letzten Wochen hatte ihrer Wachsamkeit geschadet. Die einsetzende Schlechtwetterperiode schien ein Zeichen zu sein, dass die Invasion nicht stattfĂ€nde, so dass die Landung dann dennoch ĂŒberraschend erfolgte.cite-ref-16[16] Das an der Landestelle postierte 426. Regiment schien wie gelĂ€hmt, und sein Kommandeur Oberst Gwaita, der scheinbar keine Kenntnis von den VorgĂ€ngen an den StrĂ€nden hatte, blieb mit drei Reservekompanien untĂ€tig in Mustel. WĂ€hrend die Artilleristen auf die landenden Deutschen schossen, ergriff die russische Infanterie nicht selten beim ersten Anzeichen des Feindes die Flucht. Die Einheiten lösten sich auf und leisteten den nachsetzenden Deutschen kaum Widerstand, sondern strömten in Unordnung nach SĂŒden, um per Schiff oder ĂŒber den Damm auf das Festland zu fliehen.cite-ref-barrett-s-126-17-0[17] Die Angriffstruppen gingen weitgehend ungehindert mit Hilfe von Beischiffen und speziellen sog. Pferdebooten an Land und besetzten die niedergekĂ€mpften Batterien. Die kopflose Reaktion der Verteidiger bewog die deutsche FĂŒhrung zu einer Ănderung ihrer PlĂ€ne. Anstatt wie geplant zunĂ€chst ihr Material zu entladen, zu dem auch die fĂŒr unverzichtbar gehaltene Feldartillerie zĂ€hlte, entschied General von Estorff sich dafĂŒr, unter ZurĂŒcklassung fast allen GepĂ€cks und GerĂ€ts sofort den Vormarsch ins Landesinnere anzutreten.cite-ref-barrett-s-126-17-1[17] Das 131 sollte im SĂŒden die Halbinsel Sworbe und die KĂŒstenbatterie Zerel nehmen, und das 255 sollte in sĂŒdöstlicher Richtung auf Arensburg vorgehen und die Stadt besetzen, wĂ€hrend die 65. Brigade nach SĂŒden und Osten ausgreifen sollte. Eine weitere Landung fand bei Pamerort an der NordkĂŒste Ăsels statt, hier wurden die Radfahrer und Sturmtruppen an Land gesetzt, denen eine besondere Aufgabe zukam. Um den RĂŒckzug der Russen in Richtung Moon zu verhindern, war vorgesehen, dass sie schnell nach Osten auf die Ortschaft Orissar vorstoĂen und den Kopf des Dammes, der den zwischen Ăsel und Moon gelegenen Kleinen Sund ĂŒberspannt und beide Inseln miteinander verbindet, besetzen sollte. Dies wĂŒrde ein Entkommen des Gegners nach Moon und das Heranbringen von VerstĂ€rkungen erschweren.cite-ref-18[18]
WĂ€hrenddessen unternahm die 1. Division des IV. Geschwaders unter Vizeadmiral Souchon, unterstĂŒtzt durch die 15. Torpedoboot-Halbflottille, einen Ablenkungsangriff gegen die Halbinsel Sworbe, um die Russen glauben zu machen, dort stehe ebenfalls eine Landung bevor. Bereits am vorhergehenden Abend hatten sich die beiden GroĂkampfschiffe Friedrich der GroĂe und König Albert mit ihren Eskorten vom Rest der Flotte getrennt und im SĂŒdosten der Landungsgruppe, auĂer Sicht von Land, geankert. Gegen 4 Uhr frĂŒh gingen sie Anker auf und nĂ€herten sich der KĂŒste, wĂ€hrend die Torpedoboote sie gegen Minen und U-Boote abschirmten. Die Besatzungen der Torpedoboote waren im MinenrĂ€umen ungeĂŒbt, so dass sich der Angriff verzögerte, die deutschen Schlachtschiffe eröffneten jedoch trotzdem das Feuer auf den Strand. Die Batterie auf Kap Zerel erwiderte das Feuer nicht, obwohl der Gegner in effektiver Reichweite war, und die deutschen GroĂkampfschiffe liefen gegen 8:35 Uhr zur Tagga-Bucht weiter.cite-ref-19[19]
Gleichzeitig belegte die 13. Halbflottille die russischen Stellungen nahe Kielkond und den Flugplatz Papensholm mit Artilleriefeuer. Die Torpedoboote brachten die KĂŒstenbatterien zum Schweigen und zwangen die Russen zum RĂŒckzug. Ein Luftangriff russischer Flugzeuge blieb erfolglos, und deutsche Jagdflieger meldeten den Abschuss von drei Flugbooten. Gegen 15.30 Uhr erreichten die Spitzen des Infanterieregiments 131 Papensholm und konnten den Flugplatz weitgehend unzerstört besetzen, er stand den deutschen Fliegern bereits am nĂ€chsten Tag zur VerfĂŒgung. Kielkond wurde bereits eine Stunde vorher besetzt.cite-ref-20[20] Bis zum Abend hatte das Regiment Mennust erreicht, und das RIR 255 traf am Abend in Irro an der StraĂe nach Arensburg ein, wĂ€hrend die 65. Infanteriebrigade von der Tagga-Bucht nach Osten vorrĂŒckte und bis zum Abend Vesike und Mustel erreicht hatte.cite-ref-21[21]
Die Landung in der Tagga-Bucht schritt nach Ausschaltung der KĂŒstenverteidigung rasch voran, bis 20 Uhr waren die gesamte Infanterie und eine groĂe Menge AusrĂŒstung sowie 100 Fahrzeuge und 530 Pferde gelandet worden. Aufgrund von Navigationsfehlern mussten einige als sicher erklĂ€rte Bereiche der Bucht noch von Minen gerĂ€umt werden, wĂ€hrend die Netzsperreneinheiten den Ort mit Torpedonetzen abgrenzten. Eine Linie von mit Hydrophonen ausgestatteten Trawlern ankerte an den Netzsperren, um vor U-Booten warnen zu können. Bis 17 Uhr lagen alle schweren Einheiten des IV. Geschwaders sicher in der Bucht.cite-ref-22[22]
Gefechte an der NordkĂŒste Ăsels
WĂ€hrenddessen suchten die leichten Einheiten der II. S-Halbflottille unmittelbar östlich des Landeplatzes eine sichere Passage durch den Soelo-Sund, der Ăsel von Dagö trennt und besondere strategische Bedeutung besaĂ. Die sehr flache MeeresstraĂe war ein schwieriges Fahrwasser und nur fĂŒr kleine Schiffe bis ZerstörergröĂe passierbar, durch ihn konnten die Russen jedoch leichte SeestreitkrĂ€fte gegen den Landungsverband ansetzen, und fĂŒr die Deutschen bot er den schnellsten Zugang zum dahinter liegenden Kassar Wiek. Dieser Meeresarm zwischen Ăsel, Dagö und Moon war von ĂŒberragender Bedeutung fĂŒr den Fortgang der Unternehmung, da von dort aus der Zugang zu allen drei Inseln kontrolliert werden konnte. Auch der Moondamm, ĂŒber den Truppen und Nachschub zwischen den Inseln Moon und Ăsel ausgetauscht werden konnten, konnte von dort beherrscht werden, so dass die deutsche Flotte den Zugang zum Kassar Wiek auf jeden Fall unter ihre Kontrolle bringen musste. Die russische Batterie in Toffri nahm die leichten Einheiten unter Feuer, die den Sund auskundschafteten, und erzielte einen Treffer auf dem Torpedoboot A 62. Sie wurde aber durch Artilleriebeschuss vom Schlachtschiff Bayern und dem Kleinen Kreuzer Emden zum Schweigen gebracht. SpĂ€ter wurde die Batterie von einem Landungstrupp gesprengt. MinenrĂ€umboote stieĂen nun in den Sund vor, sichteten jedoch die Rauchfahnen der beiden russischen Zerstörer General Kondratenko und Progranitschnik, die nach den Meldungen ĂŒber die Landung auf Ăsel von der russischen Hauptmacht im Moonsund von Kontreadmiral Stark detachiert worden waren und AufklĂ€rung betrieben. Sie trieben die MinenrĂ€umer mit Artilleriefeuer zurĂŒck, wurden aber ihrerseits durch das Feuer der Emden zum RĂŒckzug genötigt.cite-ref-23[23]
Gegen Mittag hatten die Spitzen der Radfahrerbataillone den östlichen Teil von Ăsel erreicht, und leichte SeestreitkrĂ€fte erkundeten den Kassar Wiek. VerstĂ€rkt um die XIII. Halbflottille stieĂen die Deutschen erneut in den Soelo-Sund vor, die Russen hatten jedoch ihrerseits VerstĂ€rkung durch den Zerstörer Desna und das Panzerkanonenboot Grozyashchi erhalten. Zwischen den beiden Flottillen entwickelte sich ein laufendes Gefecht, wĂ€hrend sie sich weiter nach Osten bewegten. Die Russen erhielten erneut VerstĂ€rkung durch die Zerstörer Novik, Grom, Sabijaka und Isjaslaw. Die Grozyashchi wurde mehrfach getroffen, wodurch ihre Ruderanlage zeitweise ausfiel, und die Russen zogen sich unter der Deckung des Panzerkreuzers Admiral Makarow in den Moonsund zurĂŒck. Die Deutschen machten ihrerseits kehrt und liefen in den Soelo-Sund zurĂŒck. Bis zum Abend war eine sichere Passage durch den Sund gefunden und markiert. Die Radfahrerbataillone gelangten wĂ€hrenddessen fast ohne Widerstand in den östlichen Teil Ăsels, die wenigen russischen StreitkrĂ€fte in der Gegend wurden ĂŒberrascht und zum gröĂten Teil gefangen genommen. Dabei erbeuteten die Radfahrertruppen auch die GeldbestĂ€nde der Regionalverwaltung in Arensburg in Höhe von 200.000 Rubel, die auf das Festland gebracht werden sollten.cite-ref-24[24] Sie erreichten Orissar gegen Mitternacht und gruben sich dort ein, um den Russen den Zugang zum Damm zu verwehren, wobei sie vom Gegner vorbereitete Erdwerke fĂŒr sich nutzen konnten. Ein erster VorstoĂ nach Moon ĂŒber den Damm scheiterte jedoch. Einige Stunden spĂ€ter traf auch die Abteilung Winterfeldt ein, die hatte marschieren mĂŒssen.cite-ref-25[25]
WĂ€hrenddessen erhielt Vizeadmiral Schmidt die Nachricht, dass vier gegnerische U-Boote aus Hangö ausgelaufen seien, und beorderte alle Schiffe des III. Geschwaders mit Ausnahme der Markgraf zurĂŒck in den Putziger Wiek. Es zeigte sich jedoch, dass die Bayern dafĂŒr zu schwer beschĂ€digt war, und so lief sie langsam, eskortiert von der Kronprinz und drei Torpedobooten, in die vergleichsweise sichere Tagga-Bucht zurĂŒck. Am nĂ€chsten Morgen konnte man in der Bucht Anker werfen und mit behelfsmĂ€Ăigen Reparaturen beginnen.cite-ref-26[26]
Reaktion des russischen Oberkommandos
Sobald das Oberkommando Nachricht von der deutschen Landung erhielt, setzte der Befehlshaber der Baltischen Flotte Konteradmiral Raswosow als VerstĂ€rkung das 173. Infanterieregiment und die neu aufgestellte Marinespezialeinheit mit Namen Todesbataillon in Marsch und erbat weitere VerstĂ€rkungen vom Oberkommando. Konteradmiral Sweschnikow hielt mit seinen Stabsoffizieren und den Abgesandten der SoldatenrĂ€te in der Bischofsburg von Arensburg Kriegsrat. Es gab nur wenige Informationen, doch die Deutschen rĂŒckten scheinbar ungehindert vor, die eigenen Truppen hielten den Angreifern nicht stand, und es lagen Meldungen ĂŒber deutsche Truppen auf dem RĂŒckzugsweg nach Orissar vor. Der Konteradmiral befahl dem Rest der 107. Division den RĂŒckzug auf den Damm und die Vertreibung der deutschen Truppen auf der StraĂe, ohne zu wissen, dass Orissar bereits in deutscher Hand und der RĂŒckzug damit abgeschnitten war. Ausgenommen war davon allein das 425. Regiment auf der Halbinsel Sworbe, das die lebenswichtige Batterie bei Zerel schĂŒtzen sollte. Einige Stunden spĂ€ter erschienen die GenerĂ€le Iwanow und Kolbe und beschrieben dem Befehlshaber die Lage. Sweschnikow und sein Kriegsrat sollten vom auf dem Festland gelegenen Hapsal aus VerstĂ€rkungen heranfĂŒhren, und Sweschnikow schiffte sich auf dem Kanonenboot Chrabry nach Hapsal ein. Am folgenden Morgen kam er in Kuiwast an und erbat von Vizeadmiral Bachirew die Kommandierung nach Hapsal.cite-ref-27[27] Sowohl Konteradmiral Raswosow wie auch Vizeadmiral Bachirew rĂŒgten Sweschnikow fĂŒr seine Handlungsweise, und der Kommandeur der russischen Heeresgruppe Nordfront General Cheremisow ĂŒbertrug das Kommando ĂŒber die LandstreitkrĂ€fte auf den baltischen Inseln nunmehr auf Generalleutnant Nikolai Wladimirowitsch Henrikson. Auch dieser wusste noch nicht, dass Orissar bereits in deutscher Hand war, und befahl das Halten einer Linie, die von Arensburg bis Kap Pamerort im Norden verlief, um die Deutschen mit einem Gegenangriff wieder von der Insel zu verdrĂ€ngen. Zu diesem Zweck setzte er sofort VerstĂ€rkungen in Marsch, insbesondere das zur 118. Infanteriedivision gehörende 470. Infanterieregiment âDankowskiâ und das sogenannte Todesbataillon der Marine; auĂerdem plante er den Einsatz der ĂŒbrigen 118. Infanteriedivision. Sweschnikow war damit abgelöst und lieĂ sich nach Reval versetzen.cite-ref-28[28] Bachirew ordnete fĂŒr den nĂ€chsten Tag eine Erkundung des Soelo-Sundes durch die modernen Zerstörer der Novik-Klasse an und plante, die enge MeeresstraĂe mit einem Blockschiff und einer Minensperre fĂŒr die Deutschen zu sperren. Aus den Mannschaften der groĂen Schiffe wurde ein Landungskorps von 86 Matrosen und Offizieren zusammengestellt, um die Verteidigung des Moondammes zu stĂ€rken. Nachts ereignete sich ein folgenschweres UnglĂŒck: der Zug mit den fĂŒr Pripyat vorgesehenen Minen verunglĂŒckte am Hafen von Rogekul, wobei die Minen explodierten und schweren Schaden anrichteten. Der Minenleger geriet durch den schweren Brand in ernste Gefahr und musste vom Kai loswerfen, dank dem beherzten Eingreifen von Seeleuten konnte das Feuer aber bald gelöscht werden. Vizeadmiral Bachirew hielt den Unfall fĂŒr das Werk deutscher Agenten, und die Mannschaft des Minenlegers war stark verunsichert worden, was am nĂ€chsten Tag seine Wirkung zeigte.cite-ref-29[29]
Am Abend gab General Iwanow den Befehl, dass die Garnison sich auf den Osten der Insel zum Moondamm zurĂŒckziehen sollte, um dort auf VerstĂ€rkung zu warten und einen Gegenangriff organisieren zu können. Offenbar wusste das Oberkommando immer noch nichts vom Fall Orissars, und vorausgeschickte Tross- und Lazaretteinheiten mit 130 Wagen und Lastwagen voller Material und persönlichem Besitz der Offiziere und ihrer Familien wurden aus dem Hinterhalt unter schweren Verlusten aufgerieben oder gefangengesetzt, was die durch die Nachricht von der deutschen Landung beeintrĂ€chtigte Moral der Garnison weiter schwĂ€chte.cite-ref-30[30] Die demoralisierten russischen Einheiten dachten zumeist nur noch an Flucht oder Kapitulation und weigerten sich, widerstandswillige Kameraden zu unterstĂŒtzen, oder hinderten sie sogar mit Waffengewalt daran.cite-ref-31[31]
Lage am Abend des 12. Oktober
Am Ende des ersten Tages hatten die Angreifer sich endgĂŒltig auf Ăsel festgesetzt und einen Landekopf gesichert. Die KĂŒstenbatterien auf der Insel waren bis auf die bei Zerel weggenommen oder zerstört und der Flugplatz Papensholm besetzt worden, der Liegeplatz in der Tagga-Bucht war gegen U-Boote gesichert und das Ausschiffen der Truppen schritt rasch voran, wĂ€hrend die Passage durch den Soelo-Sund in die GewĂ€sser östlich der Insel ausgekundschaftet und gesichert war. Der strategisch wichtige Moondamm war vorlĂ€ufig abgeriegelt, so dass ein RĂŒckzug der Russen von Ăsel und das Eintreffen von VerstĂ€rkungen erschwert wurde.
Beginn russischer GegenmaĂnahmen
13. Oktober 1917
Gegen 7:30 Uhr am Morgen des 13. Oktober meldete die deutsche AufklĂ€rung die AnnĂ€herung von acht russischen Zerstörern, die zusammen mit dem Minenleger Pripyat und dem als Blockschiff vorbereiteten Dampfer Lavwija den Soelo-Sund blockieren sollten. Allerdings lief die Lavwija vor Erreichen ihrer Versenkungsposition auf ein Riff, und die Mannschaft der Pripyat weigerte sich auf Befehl des Soldatenrates an Bord, ohne stĂ€rkere Eskorte ihren Auftrag auszufĂŒhren, was den Deutschen spĂ€ter den Durchbruch in den Kassar Wiek sehr erleichtern sollte. Dennoch griffen die Zerstörer die mit der Vermessung des Sundes beschĂ€ftigten deutschen Minensuchboote an, wurden aber durch Artilleriefeuer der Emden zum RĂŒckzug gezwungen. Ein zweiter VorstoĂ zwei Stunden spĂ€ter endete mit dem gleichen Ergebnis. Gegen 13 Uhr riskierte das russische Panzerkanonenboot Chivinetz einen weiteren Angriff gegen die deutschen Suchflottillen, der ebenfalls abgewiesen wurde. Der Rest des Nachmittags verlief ereignislos, und die Deutschen verlegten ihren Ankerplatz weiter nach Osten. Dabei lief das Torpedoboot V 82 auf Grund und zog sich schwere SchĂ€den an einer Schraube zu, so dass es fĂŒr Reparaturen nach Libau entlassen wurde.cite-ref-32[32]
WĂ€hrenddessen ging in der Tagga-Bucht das Ausschiffen der deutschen Truppen und ihres Materials trotz schlechter Wetterbedingungen weiter, und die Angriffsspitzen stieĂen vor, ohne auf Nachschubkolonnen oder Artillerie zu warten. Im Westen und SĂŒden leisteten die Russen nur wenig Widerstand, der gröĂte Teil ihrer Truppen war im Abzug in Richtung Moon begriffen. Generalleutnant von Estorff ging davon aus, dass die Russen versuchen wĂŒrden, mit UnterstĂŒtzung durch die Marine den Hauptort Arensburg zu halten, und setzte die Masse seiner KrĂ€fte nach SĂŒden und SĂŒdwesten in Marsch, um sie vom Nachschub von Moon her abzuscheiden. Dies lieĂ die bei Orissar liegenden Vorausabteilungen am Damm in einer exponierten und gefĂ€hrlichen Lage. Gegen Abend erreichten deutsche Patrouillen die Inselhauptstadt, und aus Verhören von Gefangenen ging hervor, dass die Russen den Ort bereits gerĂ€umt hatten. Das russische 425. Infanterieregiment (Oberst Borsakowski) war auf die Halbinsel Sworbe ausgewichen, die restliche Garnison war jedoch auf dem RĂŒckzug, um den Damm nach Moon zu erreichen und auf VerstĂ€rkung zu warten. Dabei waren sie stets in Kontakt mit deutschen Einheiten, die von Westen und SĂŒden her nachdrĂ€ngten. Vor der deutschen Riegelstellung um Orissar war fast jede Ordnung geschwunden, steckengebliebene Fahrzeugkolonnen verstopften die StraĂen, weggeworfene AusrĂŒstung, TrĂŒmmer, Pferdekadaver und Leichen lagen herum, und die desorganisierten Soldaten waren einer Panik nahe, als sie feststellten, dass ihnen der Fluchtweg versperrt war. Viele wollten sich dennoch den Weg freikĂ€mpfen, und dies brachte die bis zum Verbindungsdamm zwischen beiden Inseln vorgestoĂenen deutschen Einheiten in eine kritische Lage. Den Tag ĂŒber und auch wĂ€hrend der Nacht tobten heftige KĂ€mpfe mit den von SĂŒden herankommenden Teilen der Garnison, wobei die Deutschen zeitweise einen Teil des Dammes besetzen und dem Gegner schwere Verluste beibringen konnten. Als die Munition knapp wurde, zogen die Angreifer sich auf Orissar zurĂŒck, was es den Russen gestattete, einen Teil ihrer Truppen nach Moon abzuziehen und Nachschub heranzubringen. Generalleutnant von Estorff, der mittlerweile den Ernst der Lage begriffen hatte, sandte das RIR 255 und die 65. Infanteriebrigade im Nachtmarsch nach Orissar, obwohl die Truppen nach den Anstrengungen der vergangenen Tage eigentlich dringend der Ruhe bedurft hĂ€tten. Lediglich das Infanterieregiment 131 verblieb im SĂŒden der Insel und blockierte den Zugang zur Halbinsel Sworbe. In Arensburg schloss sich die russische Garnison dem RĂŒckzug ihrer Kameraden nach Moon an, entgegen dem Befehl ihres Kommandanten zogen sich auch die in der Inselhauptstadt liegenden MarinekrĂ€fte in Richtung Moonsund zurĂŒck, obwohl sie der abziehenden Garnison FeuerunterstĂŒtzung und Abtransport hĂ€tten gewĂ€hren sollen.cite-ref-33[33] WĂ€hrenddessen begannen langsam russische VerstĂ€rkungen auf Moon einzutreffen. Ein zusammengewĂŒrfelter Verband aus Matrosen und Marinesoldaten startete einen Gegenangriff beim Kopf des Dammes und trieb die Deutschen nach Ăsel zurĂŒck, und im Lauf des Nachmittags kamen die ersten Soldaten des 470. und 471. Infanterieregiments sowie des 1. Estnischen Regiments und des Todesbataillons der Marine aus Reval auf Moon an. Es erwies sich jedoch als schwierig, kampffĂ€hige VerbĂ€nde zu bilden, da viele Soldaten der HeeresverbĂ€nde das Ăbersetzen nach Moon verweigerten, desertierten oder meuterten.cite-ref-34[34] Beispielsweise zog es das angeforderte 25. Kosakenregiment in Helsingfors aus Furcht vor der Ăberfahrt vor, an Ort und Stelle zu bleiben. Die Heeressoldaten auf Moon blieben zum gröĂten Teil passiv, hielten Widerstand fĂŒr sinnlos und wollten die Deutschen nicht reizen. SpĂ€ter lieĂen sie sich von der Panik der von Ăsel flĂŒchtenden Truppen anstecken, und als die Torpedoboote mit dem Bombardement des Dammes begannen, warfen die meisten ihre Waffen weg und flohen trotz aller BemĂŒhungen der Offiziere zum Hafen. Dort versuchten sie, sich auf das Festland ĂŒbersetzen zu lassen, und behinderten und demoralisierten weitere eintreffende Einheiten. Allein das Todesbataillon erwies sich als uneingeschrĂ€nkt kampffĂ€hig.cite-ref-35[35]
In anderen Teilen der Insel war der deutsche Vormarsch den Tag ĂŒber rasch vorangekommen, und groĂe BrĂ€nde bei Zerel und Arensburg kĂŒndeten vom RĂŒckzug der Russen. Bei Mennust gerieten die aufgelösten Reste des von Arensburg nach Norden marschierenden 426. russischen Infanterieregiment in ein heftiges Gefecht mit den vorrĂŒckenden Deutschen und wurde unter Verlusten nach Osten abgedrĂ€ngt.cite-ref-36[36] Die Deutschen machten dabei etwa 1.000 Gefangene und erbeuteten etliche Maschinengewehre und FeldgeschĂŒtze. Die RĂ€umung der Minensperren in der Irben-StraĂe machten ebenfalls rasche Fortschritte, so dass am Abend des 13. Oktober der Befehl erging, so bald als möglich durch die Irben-StraĂe nach Arensburg durchzubrechen.
Lage am Abend des 13. Oktober
Am zweiten Angriffstag war den Deutschen ein groĂer Teil der Insel Ăsel in die HĂ€nde gefallen. Die Marine hatte den Kassar Wiek vermessen und den Soelo-Sund unter ihre Kontrolle gebracht, so dass die Heereseinheiten an der NordkĂŒste Ăsels bald FeuerunterstĂŒtzung erhalten wĂŒrden. Die Entminung der Irben-StraĂe hatte ebenfalls begonnen, so dass den Schlachtschiffen bald der Weg in den Rigaer Meerbusen offenstehen wĂŒrde.
Die Eroberung von Ăsel und die Gefechte in der Irben-StraĂe und im Kassar Wiek
14. Oktober 1917
Vormarsch gegen Moon und den Kassar Wiek
Am Morgen des 14. Oktober beschloss die FĂŒhrung der 8. deutschen Armee in Absprache mit der Seekriegsleitung, die Operationen auch auf die Insel Dagö auszudehnen. Der Besitz der ganzen Inselgruppe wĂŒrde die Kontrolle ĂŒber den Moonsund und den Eingang zum Finnischen Meerbusen sicherstellen, und mit der Einnahme von Dagö wĂŒrde auch die Verteidigung von Ăsel wesentlich erleichtert. Die Landung sollte am 16. Oktober nach Abschluss der Operationen auf Ăsel erfolgen.cite-ref-37[37]
Im Norden Ăsels gingen die Angriffe der deutschen Marine indessen weiter. Das Schlachtschiff Kaiser sollte zusammen mit dem Kleinen Kreuzer Emden im Eingang des fĂŒr sie nicht passierbaren Soelo-Sundes ankern, um die leichten Einheiten im Kassar Wiek mit ihrer ĂŒberlegenen Feuerkraft zu decken. Unter ihrem Schutz sollten vier Torpedobootsgruppen vorgehen und bis zum Eingang des Moonsundes vorstoĂen, um Minen zu rĂ€umen und den deutschen StreitkrĂ€ften an Land FeuerunterstĂŒtzung zu geben. Gegen 6 Uhr morgens gingen Emden und Kaiser Anker auf und nĂ€herten sich, eskortiert von zwei Torpedobooten, ihren bereits von Minen gesĂ€uberten AnkerplĂ€tzen. Bald darauf erschienen vier russische Zerstörer, die am östlichen Ausgang des Soelo-Sundes ankerten, aber wohlweislich auĂer Reichweite der Emden blieben. Gegen 11:45 Uhr hatte die Kaiser am vorgesehenen Ort Anker geworfen und eröffnete sofort auf 19.200 m Entfernung das Feuer auf die russischen Schiffe. Der von Anfang an gut liegende Beschuss trieb die Zerstörer zurĂŒck, und Grom erhielt bereits mit der zweiten Salve von Kaiser einen Treffer in den Maschinenraum, die 30,5 cm-Granate explodierte jedoch nicht. Unter dem Schutz der groĂen Schiffe stieĂen die Torpedoboote in den Sund vor. Aufgrund starker Strömungen und ungĂŒnstiger WindverhĂ€ltnisse gerieten einige Boote auf Grund, es gelang ihnen aber dennoch, den Sund von Minen zu sĂ€ubern und in deutsche Hand zu bringen. Der Torpedobootzerstörer G 103 erlitt bei GrundberĂŒhrung SchĂ€den an einer Schraubenwelle und musste spĂ€ter zur Reparatur entlassen werden.cite-ref-38[38]
Einmal im Kassar Wiek, teilten sich die deutschen Torpedoboote in vier Gruppen auf und fuhren mit 17 Knoten Fahrt nach Osten, mehr lieĂ das flache Wasser nicht zu. Die russischen Zerstörer nĂ€herten sich erneut und eröffneten gegen 13:21 Uhr das Feuer auf 11.000 m Entfernung. Sie lieferten sich mit den vorgehenden Deutschen ein laufendes Gefecht, wobei beide Seiten Treffer erzielten. Auf deutscher Seite wurde G 103 leicht beschĂ€digt, wĂ€hrend bei den Russen Pobeditel und Konstantin leichte sowie Grom und Sabijaka schwere SchĂ€den erlitten. Gegen 13:45 Uhr erhielten die russischen Zerstörer VerstĂ€rkung durch die Panzerkanonenboote Chrabry und Chivinetz, die aus dem Moonsund zur Hilfe kamen. Grom fiel hinter die anderen Schiffe zurĂŒck und wurde bewegungsunfĂ€hig geschossen, trotz des Eintreffens von VerstĂ€rkungen durch sieben weitere Zerstörer zogen sich die Russen in den Moonsund zurĂŒck. Das Kanonenboot Chrabry versuchte die Grom abzuschleppen, jedoch brach die Schleppleine, und angesichts der sich nĂ€hernden gegnerischen Schiffe ĂŒbernahm das Kanonenboot die Besatzung der Grom und zog sich zurĂŒck. Die Deutschen enterten den brennenden Zerstörer und versuchten ihrerseits, ihn abzuschleppen. Die SchĂ€den erwiesen sich jedoch als zu schwer, und die Grom versank um 15:10 Uhr. Die Russen hatten sich nach SĂŒdosten zurĂŒckgezogen, hielten sich jedoch auĂer Reichweite. Um 15:35 Uhr gerieten die deutschen Torpedoboote noch einmal unter Feuer, diesmal waren auch die mittlerweile herangekommenen schweren russischen Schiffe Graschdanin und die gerade aus Reval eingetroffene Admiral Makarow an der Kanonade beteiligt. Nach zehn Minuten wurde das Feuer aber wieder eingestellt, und bis zum Einbruch der Dunkelheit ereignete sich nichts weiter. Die Torpedoboote der von FregattenkapitĂ€n von Rosenberg kommandierten S-Flottille Ostsee liefen in den Kleinen Sund ein, um den bedrĂ€ngten Radfahrerbataillonen bei Orissar zur Hilfe zu kommen. WĂ€hrend der Nacht wagte der russische Minenleger Pripyat, dessen Mannschaft zum Teil durch beherztere Seeleute ersetzt worden war, sich noch einmal in den Kassar Wiek und legte von den Deutschen unbemerkt eine Minensperre.cite-ref-39[39]
Den Tag ĂŒber waren die von Hauptmann Winterfeldt befehligten nahe Orissar liegenden deutschen Heereseinheiten trotz nach und nach eintreffender VerstĂ€rkungen starkem gegnerischen Druck ausgesetzt. Die von SĂŒden anrĂŒckende Garnison drĂ€ngte gegen den Moondamm, und von Moon kommende russische Marineinfanterie mit zwei Panzerwagen setzten den Deutschen schwer zu, um ihren Kameraden den RĂŒckzugsweg offen zuhalten. Dabei wurden die von Moon kommenden russischen KrĂ€fte von den 25 cm-GeschĂŒtzen der schweren Batterie bei Woi im SĂŒdosten Moons unterstĂŒtzt. Zwar konnten die Radfahrer und die Sturmkompanien die heftigen Angriffe der desorganisierten Garnison unter schweren gegnerischen Verlusten abweisen, mussten jedoch langsam zurĂŒckweichen und standen durch Erschöpfung und Munitionsmangel kurz vor einer Niederlage. Das auf Moon liegende Todesbataillon der Marine hĂ€tte in dieser Lage den Ausschlag geben können. Sein Kommandeur zog jedoch die ihm unterstehenden erschöpften Truppen vom BrĂŒckenkopf auf Ăsel ab, um sie ausruhen und am nĂ€chsten Tag die Stellungen wieder besetzen zu lassen. Eine ausgesandte Patrouille ĂŒber den Damm wurde von den Deutschen zurĂŒckgeworfen und verlor dabei zwölf Mann. Das flankierende Artilleriefeuer der eintreffenden leichten Torpedoboote der S-Flottille Rosenberg aus dem Kleinen Sund erwies als wichtige StĂŒtze und verhinderte auch ein Eingreifen der russischen Truppen auf Moon. Von ihnen erhielten von Winterfeldts Truppen dringend benötigten Munitionsnachschub, und sie erzielten Treffer auf zwei russischen Panzerwagen, ein dritter trat den RĂŒckzug an.cite-ref-40[40] Mit dem Eintreffen der ersten VerstĂ€rkungen aus dem SĂŒden und Westen der Insel gelang es den Deutschen, die Stellung zu halten, und gegen Abend konnten sie von Thomel aus gegen die Basis des Dammes vorrĂŒcken und die Russen zum RĂŒckzug nach Moon zwingen. Damit war dem Entkommen weiterer gegnerischer Einheiten nach Moon ein Riegel vorgeschoben, die Radfahrerbataillone hatten nun VerstĂ€rkung durch die 65. Infanteriebrigade erhalten, und das Reserve-Infanterie-Regiment 255 lag auf der RĂŒckzugslinie von Arensburg nach Moon.cite-ref-41[41]
Nach dem Ende des Gefechtes im Kassar Wiek begaben sich deutsche Torpedoboote in den Kleinen Sund und setzten einen Verbindungsoffizier an Land, der mit den eigenen Heerestruppen Kontakt aufnehmen sollte. Das gelang aber erst gegen 16:30 Uhr, kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Hauptmann Winterfeldt forderte Nachschub und Munition fĂŒr seine Leute an und bat auĂerdem um ein Bombardement des Moondammes, wegen der hereinbrechenden Dunkelheit lieĂ sich dies jedoch nicht mehr durchfĂŒhren. Dennoch war der GroĂteil der russischen Garnison nun in einem engen Kessel gefangen und wurden von Norden und SĂŒden angegriffen, wĂ€hrend der RĂŒckzug nach Osten durch die Marine verlegt war und im Westen SĂŒmpfe ein Entkommen verhinderten.
Angriff gegen Zerel und die Irben-StraĂe
Am selben Tag wurden die MinenrĂ€umoperationen in der Irben-StraĂe weiter fortgesetzt. Bereits in den frĂŒhen Morgenstunden meldeten die MinenrĂ€umer, die ihre Arbeit im Schutz der Dunkelheit und bei gĂŒnstigen Wetterbedingungen mit leichtem Nebel fortgesetzt hatten, dass in den vorderen beiden russischen Sperren benutzbare LĂŒcken freigerĂ€umt worden seien. Bei Hellwerden um 8 Uhr eröffnete die russische schwere Batterie bei Kap Zerel das Feuer auf die von Kreuzern begleiteten MinenrĂ€umer, die sich vor den gut liegenden Salven zurĂŒckzogen und sich erst etwas spĂ€ter wieder vorwagten. Gegen 8:45 Uhr gingen die Kreuzer bei den MichaelsbĂ€nken nahe der Ortschaft Pissen auf dem kurlĂ€ndischen Festland vor Anker. Die MinenrĂ€umoperationen wurden bis in den Nachmittag fortgesetzt, und weiter nach Osten aufklĂ€rende MinenrĂ€umer entdeckten eine dritte und vierte Sperre, die sie zu rĂ€umen begannen. Gegen 17 Uhr wurden die Operationen fĂŒr die Nacht eingestellt.cite-ref-42[42]
Am selben Morgen brachten die Deutschen auch schwere Schiffseinheiten von Westen heran, die gegen die Halbinsel Sworbe angesetzt werden sollten. Um 9:10 Uhr gingen die Schlachtschiffe Friedrich der GroĂe, Kaiserin und König Albert in der Tagga-Bucht Anker auf und nahmen, begleitet von sechs Torpedobooten der IV. und VI. Flottille, Kurs auf das Operationsgebiet. Gegen 15 Uhr erreichten sie die vorgesehenen Positionen, König Albert und Kaiserin sollten die schwere Batterie bei Zerel angreifen, wĂ€hrend Friedrich der GroĂe auf Anforderung des Kommandeurs des 131. Infanterieregiments ArtillerieunterstĂŒtzung geben sollte. Die Bombardementpositionen hĂ€tten bis dahin eigentlich gerĂ€umt sein sollen, jedoch hatten die damit betrauten Torpedoboote Schwierigkeiten mit ihrem RĂ€umgerĂ€t und fuhren schlieĂlich unmittelbar vor Kaiserin her. Kurz nach 16 Uhr eröffnete die Batterie Zerel das Feuer auf die beiden begleitenden Torpedoboote, die sich nach Norden zurĂŒckzogen. Die beiden Schlachtschiffe erwiderten das Feuer, und auch Friedrich der GroĂe, die noch keine Ziele zugewiesen bekommen hatte, beteiligte sich an dem Gefecht. In der nĂ€chsten Stunde feuerten die deutschen Schiffe etwa 120 schwere Granaten ab, die jedoch meist weit daneben lagen. Nur einige Splitter trafen die Batterie und richteten keinen Schaden an, jedoch floh ein Teil der demoralisierten Besatzung unter dem Eindruck des schweren Feuers in die nahegelegenen WĂ€lder. Die Russen schossen Salven von je zwei Schuss auf 17.000 bis 20.000 m und erzielten einige Nahtreffer, weshalb sowohl König Albert als auch Kaiserin Zickzackkurse fuhren. Nach nur wenigen SchĂŒssen meuterten die GeschĂŒtzbedienungen mit der BegrĂŒndung, dass die Granaten zu schwer seien und dass sie fĂŒr einen Tag genug gearbeitet hĂ€tten. Trotz der BemĂŒhungen der Offiziere lieĂen die meisten Artilleristen ihre GeschĂŒtze im Stich und suchten das Weite.cite-ref-43[43] Das Infanterieregiment 131 hatte wĂ€hrenddessen am Morgen die Gegend von Tecomardi erreicht, und der Regimentskommandeur Oberstleutnant Fischer entsandte einen ParlamentĂ€r zu den Russen, um weiteres BlutvergieĂen zu vermeiden. Man fĂŒrchtete, dass die Russen ihre Verteidigung an dieser Stelle durch die schweren GeschĂŒtze der Batterie Zerel stĂ€rken könnten, was tatsĂ€chlich jedoch unmöglich war, da die GeschĂŒtze nicht um 360° schwenkbar waren. Die Kapitulationsbedingungen verlangten eine unzerstörte Ăbergabe der Einrichtungen auf der Halbinsel und boten den russischen Soldaten eine gute Behandlung und die Verschonung von Zwangsarbeit an, andernfalls werde die Halbinsel gestĂŒrmt und man werde keine Gefangenen machen. Der ParlamentĂ€r wurde jedoch festgesetzt, und da bis 15 Uhr keine Antwort erfolgt war, ordnete Fischer das Bombardement der russischen Befestigungen bei AnsekĂŒll an der Nahtstelle zwischen der Halbinsel und dem Rest von Ăsel an, und das Regiment richtete sich an Ort und Stelle fĂŒr die Nacht ein. Mit Einbruch der DĂ€mmerung endete auch das Gefecht auf See, und König Albert und Kaiserin warfen Anker, wĂ€hrend Friedrich der GroĂe in Bewegung blieb.cite-ref-44[44] Am Abend begann die Lage der auf der Halbinsel Sworbe eingeschlossenen russischen StreitkrĂ€fte kritisch zu werden. Obwohl alles ruhig blieb, tat das GefĂŒhl des Eingeschlossenseins bei den demoralisierten Soldaten seine Wirkung, und das Bekanntwerden der groĂzĂŒgigen deutschen Kapitulationsbedingungen trug ebenfalls zum Erlöschen des Widerstandswillens bei. Die Mannschaften begannen den Kopf zu verlieren und verlieĂen ihre Posten, und der kleine Hafenort Mento war bereits voll mit FlĂŒchtlingen, doch noch hatten die Deutschen nichts davon bemerkt und rechneten weiterhin mit Widerstand. Um die zusammenbrechende Moral wiederherzustellen, sandte der Soldatenrat der auf der Halbinsel Zerel versammelten russischen Truppen per Funk ein dringendes Hilfeersuchen an die Flotte, das mit dem Versprechen auf UnterstĂŒtzung am nĂ€chsten Morgen beantwortet wurde.cite-ref-45[45]
Lage am Abend des 14. Oktober
Am Abend des dritten Tages hatten die Angreifer ihre Position gefestigt. Ein groĂer Teil der russischen Garnison war im Westteil der Insel eingekesselt, und sie standen im Begriff, die Halbinsel Sworbe zu erobern. Der Kassar Wiek war unter Kontrolle der Marine, und die MinenrĂ€umer wĂŒrden bald den Eingang zur Irben-StraĂe öffnen können.
KĂ€mpfe um die Halbinsel Sworbe
15. Oktober 1917
Am Morgen des 15. Oktober herrschten mit leichtem Wind und Nieselregen gĂŒnstige Wetterbedingungen fĂŒr ein WeiterfĂŒhren der MinenrĂ€umoperationen. Die Minensucher nahmen um 7 Uhr unterstĂŒtzt von den Kreuzern der VI. AufklĂ€rungsgruppe ihre Arbeit wieder auf, und die beiden Schlachtschiffe König und Kronprinz hatten im Putziger Wiek Kohlen ĂŒbernommen und waren im Anmarsch, um zusammen mit den Schiffen des IV. Geschwaders die Halbinsel Sworbe zu beschieĂen. Als Reaktion auf das Hilfeersuchen von Zerel hatte Vizeadmiral Bachirew das Linienschiff Graschdanin und die Zerstörer Stereguschtschi, Turkmenez Stawropolski und Amurez von Kuiwast in Marsch gesetzt. Die Flotte im Moonsund hatte VerstĂ€rkung durch den Panzerkreuzer Admiral Makarow erhalten, der jedoch zunĂ€chst seine KohlenvorrĂ€te ergĂ€nzen musste. Die Minensucher gingen, durch die schlechte Sicht von den Russen unbehelligt, durch die bereits teilweise gerĂ€umte dritte Sperrlinie und machten sich daran, auch die vierte und letzte in Angriff zu nehmen, was den deutschen Schiffen die Passage der Irben-StraĂe ermöglichen wĂŒrde. Voraus sichteten sie Rauchfahnen, die zu russischen Zerstörern gehörten, welche aber wegen der schlechten Sicht die Minensucher ihrerseits nicht ausmachen konnten.cite-ref-46[46]
Mittlerweile schickten sich die aus dem Putziger Wiek zurĂŒckgekehrten Schlachtschiffe König und Kronprinz zum Passieren der Irben-StraĂe an, um die auf der Halbinsel Sworbe eingeschlossenen Russen abzuschneiden und endlich in den Rigaer Meerbusen einzudringen. Gegen 9:30 Uhr erreichten die Schlachtschiffe, begleitet von Minensuchern und zwei Sperrbrechern, den vorgesehenen Punkt nördlich von Pissen. Es stellte sich heraus, dass die Minensperren der dritten und vierten Linie nur sehr schwer zu rĂ€umen waren, da die Minen sehr dicht und geschickt verlegt waren. Es war nicht sicher, ob die gerĂ€umten Gassen in den beiden ersten Sperrlinien tatsĂ€chlich frei waren. Des Weiteren war nicht bekannt, ob die Batterie auf Kap Zerel noch eingreifen konnte, so dass sich Vizeadmiral Behncke dafĂŒr entschied, nicht zu nahe unter den GeschĂŒtzen zu passieren, sondern sich dicht unter der kurischen KĂŒste zu halten. Gleichzeitig bezogen die Schiffe des IV. Geschwaders ihre Bombardementspositionen vom Vortag erneut, wobei sie das Feuer nur auf Anforderung von Land her eröffnen sollten, oder wenn sie selbst beschossen wurden.cite-ref-staff-s-78-80-47-0[47]
In der Zwischenzeit hatte sich â von den Deutschen unbemerkt â die Moral der auf der Halbinsel verbliebenen russischen Truppen bis hin zur Panik verschlechtert. Weiterer Widerstand erschien vielen Soldaten sinnlos, etliche waren bereits geflohen, und die Kapitulationsbedingungen der Deutschen klangen verlockend. Der Soldatenrat beschloss daher, die Batterien unzerstört zu rĂ€umen und keinen Widerstand mehr zu leisten. Leutnant Bartinew, der Kommandant der schweren Batterie Nr. 43, konnte immerhin mit der Hilfe einiger beherzter Soldaten die Magazine und Generatoren mit Sprengladungen versehen. Die Situation wurde immer chaotischer, Gruppen von panischen Soldaten legten entgegen seinen Befehlen Feuer an einige GebĂ€ude und ein Waffenlager, das weithin sichtbare Explosionen und Rauchschwaden erzeugte.cite-ref-staff-s-78-80-47-1[47]
Die von Vizeadmiral Souchon befehligten Schiffe des IV. Geschwaders hatten gemÀà ihrer Anweisung bislang nicht in den Kampf eingegriffen. Gegen 12:50 Uhr signalisierte der dichte Rauch in der Gegend der Batterie, dass die Russen ihre Stellung rĂ€umten und die Batterie unbrauchbar machten. Weiter sĂŒdlich waren die Schiffe des III. Geschwaders zu sehen, die zusammen mit den Minensuchern die Irben-StraĂe forcierten. Souchon vermutete, dass verstĂ€rkter Druck auf die russische Garnison den Zusammenbruch der Verteidigung beschleunigen könnte, und lieĂ daher zwischen 13:40 Uhr und 14:20 Uhr das Feuer auf die Batterie, die anderen Einrichtungen auf der Halbinsel, einen weiter östlich ausgemachten Dampfer und eine groĂe Schute eröffnen. Diesmal lag der Beschuss sehr viel besser als am Vortag und ĂŒberschĂŒttete die Batterie mit Splittern, und Leutnant Bartinew versuchte, die gelegten Sprengladungen zu zĂŒnden. Dies schlug jedoch fehl, wohl weil die deutschen Granaten die DrĂ€hte zu den Detonatoren zerstört hatten, und so setzte er stattdessen einige Magazine und Warenlager sowie den Leuchtturm auf Kap Zerel in Brand. Der Rest der Batteriebesatzung zog sich nach Mento zurĂŒck, wo die desertierenden oder abziehenden Soldaten bereits unter chaotischen VerhĂ€ltnissen versuchten, auf Boote zu gelangen, um sich dem Zugriff der Deutschen zu entziehen.cite-ref-48[48]
WĂ€hrend des Tages waren die Graschdanin und ihre Begleitzerstörer bis an die Arensburg-Bank gelaufen, wo sie vor Anker gingen. Zwei Zerstörer begaben sich in die Gegend der Insel Abro östlich der Halbinsel Sworbe. Dort erfuhren sie von Vizeadmiral Bachirew, dass die Verteidigung der Halbinsel zusammenbreche und dass sie Befehl hatten, die Batterie auf Kap Zerel zu zerstören. Mit dem Verlust der Batterie Zerel erachtete das Oberkommando eine weitere Verteidigung der Irben-StraĂe als unmöglich, und der RĂŒckzug auf den Moonsund und die Aufgabe von Ăsel waren die Konsequenz. Die Graschdanin ging daraufhin nach Kap Kawi im SĂŒdosten der Halbinsel Sworbe, wobei in der kritischen Passage in einem engen Kanal mit Untiefen auf der einen und Minen auf der anderen Seite fĂ€lschlich U-Bootalarm ausgelöst wurde. Das Schiff vollfĂŒhrte ein Ausweichmanöver in das Minenfeld und feuerte mit der Mittelartillerie beider Seiten, was die eskortierenden Zerstörer in Gefahr brachte. Gleichzeitig wurden die Schiffe von einer Staffel deutscher Torpedobomber angegriffen, die jedoch keinen Treffer erzielten. Bei Sonnenuntergang erreichte Graschdanin den Hafen von Mento, wo eine groĂe Zahl von Booten, Schuten und Leichtern mit flĂŒchtigen Soldaten versammelt war, die alle darauf drĂ€ngten, von den Zerstörern aufgenommen zu werden. Graschdanin nĂ€herte sich der Batterie Nr. 43 so weit als möglich und belegte sie mit Beschuss aus ihren 30,5 cm und 15,2 cm-Batterien. Die beiden Zerstörer bei Abro steuerten Mento an und nahmen einen Teil der dortigen Garnison an Bord, ehe sie ihrerseits das Feuer auf den Ort eröffneten. Die ĂŒbrigen Schiffe ĂŒbernahmen andere Teile der Garnison, zu ihnen gesellten sich auch der Dampfer General Zimmermann sowie vier Schlepper, von denen einer eine mit 200 MĂ€nnern beladene Schute im Schlepp hatte. Bei Anbruch der AbenddĂ€mmerung verlieĂen die russischen Schiffe das Gebiet und setzten Kurs auf den Moonsund. In der Nacht wurde das Geleit gegen 1:45 Uhr von dem deutschen U-Boot UC 57 gesichtet, das jedoch beim Angriff entdeckt wurde und vor den zudrehenden Zerstörern wegtauchen musste. In den frĂŒhen Morgenstunden des 16. Oktober traf das Geleit auf der Reede von Kuiwast ein. In der Nacht war jedoch die Schleppverbindung zu der Schute gerissen, die nun antriebslos östlich von Sworbe in gefĂ€hrlicher NĂ€he der Minenfelder trieb.cite-ref-49[49]
Mit dem beginnenden RĂŒckzug der Russen und dem Ausfall der Batterie versuchten die deutschen Minensucher, doch noch vor Dunkelwerden eine Passage weiter nördlich freizumachen, um den schweren Schiffen noch an diesem Tag eine direkte Route nach Arensburg zu ermöglichen. Bis sie jedoch so weit waren, war es schon fast Abend, so dass sie stattdessen bis zum Einbruch der Dunkelheit die begonnenen Arbeiten weiter östlich fortsetzten. Kaiserin und König Albert wurden zur KohlenĂŒbernahme im Putziger Wiek entlassen, wĂ€hrend Friedrich der GroĂe westlich von Sworbe verblieb.cite-ref-50[50]
An Land rĂŒckte das 131. Regiment in das mittlerweile von den Russen gerĂ€umte Ansekull ein und marschierte weiter nach SĂŒden. Die gĂŒnstigen Kapitulationsbedingungen vom Vortag waren den Mannschaften zu Ohren gekommen und untergruben ihren Widerstandswillen, und der russische Soldatenrat hatte mittlerweile weiteren Widerstand fĂŒr sinnlos erachtet. Oberst Borsakowski sandte den festgesetzten deutschen ParlamentĂ€r mit einem Angebot zu einem Waffenstillstand und Kapitulationsverhandlungen zum Regimentsstab zurĂŒck. Zwar schlug der Kommandeur das Angebot zu Verhandlungen aus, bot aber ehrenhafte Kapitulationsbedingungen an, welche die Russen auch akzeptierten. Um 18 Uhr stimmten die Russen den Bedingungen zu, doch gelang es ihnen am nĂ€chsten Morgen, einen groĂen Teil der von den BrĂ€nden und Sprengungen sowie dem beiderseitigen Beschuss nahezu unversehrten schweren Batterie zu zerstören, bevor sie sich ergaben. 150 Offiziere und 5.100 Mannschaften gingen in Gefangenschaft, 54 Maschinengewehre, 150 Fuhrwerke mit Bespannung, 27 leichte und acht schwere GeschĂŒtze, 20 FlugabwehrgeschĂŒtze, die schweren GeschĂŒtze der Batterien und groĂe Mengen an VorrĂ€ten fielen den Deutschen in die HĂ€nde. Immerhin hatte Oberst Borsakowski mit diesem Manöver wertvolle Zeit gewonnen, welche die Russen nutzten, um Teile der Garnison zu evakuieren, und das RĂ€umen der Minen in der Irben-StraĂe wurde ebenfalls verzögert. Die SchlĂŒsselstellung der russischen Verteidigung des Rigaer Meerbusens war jedoch durch die in Panik geratenen Mannschaften mit Leichtigkeit in die Hand des Feindes gefallen, so dass die Stellung sich nicht lĂ€nger halten lieĂ.cite-ref-51[51]
Endphase der Gefechte um Ăsel
Die deutsche Planung fĂŒr den 15. Oktober sah vor, den östlichen Ausgang des Kassar Wiek zu sichern und die Heereseinheiten nahe des Moondammes mit ArtillerieunterstĂŒtzung durch die kleinen, flachgehenden Torpedoboote der A-Klasse zu versehen. Bereits um 4:45 Uhr gingen vierzehn Torpedoboote der II. Flottille und XIII. Halbflottille Anker auf und begaben sich in den Sund. AufklĂ€rer meldeten von dort mindestens zwölf russische Zerstörer sowie eine Anzahl weiterer Schiffe, die wegen schlechter Sicht nicht identifiziert werden konnten. Wieder wurde ein Verbindungsoffizier an Land gesetzt, und die kleinen Torpedoboote A 31 und A 29 begannen mit dem Bombardement des Dammes. Zwischenzeitlich erhielten sie selbst Beschuss durch die russischen Panzerkanonenboote und Zerstörer sowie die Admiral Makarow, die vom Moonsund aus ĂŒber die Insel hinweg feuerten, setzten aber das eigene Feuer fort, bis ihnen die Munition ausging und sie sich zur Tagga-Bucht zurĂŒckzogen. Die gröĂeren Torpedoboote zogen sich gegen Mittag ebenfalls nach Westen zurĂŒck, um dem indirekten Feuer der Russen zu entgehen. Dabei lief der Torpedobootzerstörer B 98 auf eine in der Nacht zuvor gelegte russische Mine, wobei das Vorschiff abgesprengt wurde. Da ein groĂer Teil der Besatzung zu dieser Zeit unter Deck beim Essen war, gab es hohe Verluste. 14 Tote und fĂŒnf Verwundete waren zu beklagen, das Boot blieb aber schwimmfĂ€hig und wurde zur Reparatur nach Libau geschleppt. Die Torpedoboote wichen auf das flache Wasser weiter nördlich aus, wo einige auf Grund liefen und sich dabei SchĂ€den zuzogen.cite-ref-52[52]
Im Ostteil Ăsels bahnte sich wĂ€hrenddessen die Entscheidung an. WĂ€hrend der Nacht schoss die schwere Batterie bei Woi immer wieder auf die deutschen Stellungen, und das am Vortag in Kuiwast eingetroffene russische Todesbataillon unternahm drei Angriffe ĂŒber den Damm, die jedoch alle abgewiesen wurden. Am Morgen wurde die deutsche Linie bei Lewwa mehrfach angegriffen, und der mittlerweile eingetroffene Divisionskommandeur Generalleutnant von Estorff befĂŒrchtete, dass die Garnison bereits entkommen sei. General Iwanow konnte von seinem Gefechtsstand bei Peude nur wenig ausrichten, da die ihm verbliebenen Einheiten völlig demoralisiert waren und kaum mehr Befehle befolgten. Die Soldaten gaben die SchĂŒtzengrĂ€ben auf und desertierten massenweise, so dass die Offiziere selbst die Maschinengewehre bemannen mussten. Ausbruchsversuche der desorganisierten Masse aus flĂŒchtenden und desertierenden Soldaten in Richtung des deutschen Reserve-Infanterie-Regiments 255 brachen unter schweren Verlusten zusammen. Eine kleine russische Flottille aus den Minensuchern Gruz, Kapsyul, Kramvol, Minrep und Udarnik, gedeckt von den Zerstörern Deyatelny und Delny, nĂ€herte sich der KĂŒste Ăsels bei Kubyassar, um russische Truppen an Bord zu nehmen. Sie gelangten zwar bis zum Strand und brachten eine deutsche Feldbatterie durch Beschuss zum Schweigen, mussten jedoch unverrichteter Dinge umkehren, da sich keine russischen Soldaten am Strand befanden.cite-ref-53[53] FĂŒr 11 Uhr wurde ein Generalangriff aller KrĂ€fte der Division befohlen, um die Russen rasch zur Kapitulation zu zwingen. Dabei herrschte beim Divisionskommando noch Unsicherheit ĂŒber den Standort des RIR 255, das an der StraĂe von Orissar nach Arensburg nahe der Ortschaft Kapra lag und seinerseits ĂŒber die Gesamtlage im Unklaren war. Bei Angriffsbeginn gingen das II. und IV. Radfahrerbataillon nahe Thomel zusammen mit dem Infanterieregiment 38 gegen Lewwa vor und eroberten es, wĂ€hrend weiter im Osten das Infanterieregiment 17 mit dem V. Radfahrerbataillon ohne Widerstand gegen Ulla vorrĂŒckte. Hauptmann Winterfeld blockierte wĂ€hrenddessen mit dem 18. Sturmbataillon die Basis des unter Feuer der Schiffsartillerie liegenden Moondammes, um jede Möglichkeit des Entsatzes und des Entkommens zu vereiteln. Im SĂŒden rĂŒckte das Reserve-Infanterie-Regiment 255 nach Hoppi vor, blieb jedoch wegen akuten Munitionsmangels zunĂ€chst dort stehen. Der Regimentskommandeur hörte gegen Mittag aus Richtung Peude her Artilleriefeuer, schloss daraus ganz richtig auf das Eintreffen der ĂŒbrigen KrĂ€fte der Division und lieĂ in Richtung Norden angreifen. Um 14:30 Uhr erfolgte ein weiterer Angriff des Regiments, und als die Russen auch von Norden gegnerische Truppen heranrĂŒcken sahen, zeigten sie die weiĂe Flagge. Gegen 15 Uhr kapitulierte die russische 107. Infanteriedivision, ĂŒber 5.000 Mann mit 14 GeschĂŒtzen und vielen Maschinengewehren wurden als Gefangene eingebracht, und nur einige Hundert russische Soldaten entkamen in Booten ĂŒber den Kleinen Sund. Damit war der gröĂte Teil von Ăsel besetzt, und fast die gesamte russische Garnison einschlieĂlich General Iwanows und seines Stabes in Gefangenschaft geraten. Bei den KĂ€mpfen wurde der zu dieser Zeit sehr populĂ€re Schriftsteller Walter Flex, der eine Kompanie Infanterie fĂŒhrte, nahe dem Gut Peudehof tödlich verwundet und starb einen Tag spĂ€ter im Lazarett. Ăber die Verluste der Russen ist wenig bekannt, sie waren aber offenbar hoch. Allein an einer Stelle hĂ€uften sich hundert Gefallene, wĂ€hrend in einem einzelnen Dorf vierhundert Verwundete lagen.cite-ref-54[54]
Gleichzeitig mit den letzten Angriffen gegen die russische Garnison auf Ăsel unternahmen die Deutschen einen ersten Landungsversuch auf Dagö. Gegen 9 Uhr gingen zwei Abteilungen des Landungskorps Ahlefeld nahe Serro an Land und bildeten einen BrĂŒckenkopf. Der Kreuzer Emden und das Torpedoboot T141 ankerten nahe Serro und Emmast, um ArtillerieunterstĂŒtzung zu geben. Gegen 12:30 Uhr entwickelten sich heftige KĂ€mpfe zwischen der Garnison und den Angreifern, und der unerwartet starke Widerstand bewog KapitĂ€nleutnant von Ahlefeld dazu, den BrĂŒckenkopf bis zum Abend wieder zu rĂ€umen, da er glaubte, sich nicht ĂŒber Nacht an Land halten zu können. Die Landungsabteilung wurde von aus dem Kleinen Sund herbeigerufenen Minensuchern an Bord genommen, die Landung sollte am nĂ€chsten Tage nach stĂ€rkerem Bombardement wiederholt werden.cite-ref-55[55]
Lage am Abend des 15. Oktober
Am Ende des dritten Angriffstages war Ăsel vollstĂ€ndig in deutscher Hand, die russische Garnison war in Gefangenschaft geraten oder von der Insel vertrieben. Die schwere Batterie am Kap Zerel war unschĂ€dlich gemacht worden, und das SĂ€ubern der Irben-StraĂe konnte nun ungestört fortgesetzt werden, um den deutschen SeestreitkrĂ€ften den Weg in den Rigaer Meerbusen zu öffnen, so dass die russische Flotte sich ĂŒberstĂŒrzt aus dem Gebiet zurĂŒckziehen musste. In der Tagga-Bucht nĂ€herte sich das Entladen der ersten Transporterstaffel dem Ende, und die Heereseinheiten bereiteten das Ăbersetzen nach Dagö und Moon vor; ein erster Landungsversuch auf Dagö war jedoch gescheitert. Der Kassar Wiek wurde von der deutschen Flotte kontrolliert, die damit auch Moon beschieĂen konnte.
Vorbereitungen zur Landung auf Moon und Dagö
16. Oktober 1917
Mit Ausschaltung der schweren Batterie auf Kap Zerel und der Eroberung von fast ganz Ăsel konnte das RĂ€umen der Minen in der Irben-StraĂe beschleunigt werden, und fĂŒr den 17. Oktober rechnete Vizeadmiral Schmidt mit der Möglichkeit, das III. Geschwader in die Rigaer Bucht zu bringen und mit ihrer Hilfe die Landung auf Moon zu unterstĂŒtzen. Entsprechend wurden die Vorbereitungen getroffen, damit die anderen Schiffe und die Heerestruppen pĂŒnktlich zum Angriff bereitstehen wĂŒrden.cite-ref-56[56]
An diesem Tage herrschte den dritten Tag in Folge gutes Wetter. Um 8 Uhr begann das Schlachtschiff Kaiser mit einem einstĂŒndigen Beschuss der Landezone auf Dagö, nach dessen Ende das Landungskorps um 9 Uhr erneut an Land ging. Der Dampfer Coburg ging bei Toffri dicht unter Land, um als Wellenbrecher zu dienen und die Landung zu erleichtern. Deutsche Patrouillen gingen landeinwĂ€rts vor und lieferten sich zwischen 13 und 14 Uhr ScharmĂŒtzel mit den Russen. Kurz vor 15 Uhr schiffte sich das Landungskorps wieder ein, und Emden nĂ€herte sich der KĂŒste, um erneut den Strand zu beschieĂen. Das Oberkommando der Sondereinheit schlug vor, dass am nĂ€chsten Tage auch ein Radfahrerbataillon gelandet werden sollte, bevor die restlichen Truppen am 18. Oktober zum Angriff auf Dagö antreten konnten. Eine an der NordkĂŒste von Ăsel im Bau befindliche Mole, die bis zum Angriffstermin fertiggestellt sein wĂŒrde, sollte das Einschiffen der Truppen erleichtern.
Auch im Kleinen Sund gingen die Operationen weiter. Bei Hellwerden liefen die Torpedoboote der A-Klasse erneut an und beschossen das auf Moon gelegene Ende des Dammes und andere auf der Insel erkannte Stellungen. Das Ăbersetzen nach Moon selbst war jedoch erst fĂŒr den nĂ€chsten Tag geplant, wenn man mit der UnterstĂŒtzung durch die Schlachtschiffe des III. Geschwaders rechnen konnte, sofern sie durch den Rigaer Meerbusen herankommen konnten. Den ganzen Tag ĂŒber wurden Material und VorrĂ€te nach Orissar geschafft, um am folgenden Tage mit 2.000 Mann die Landung wagen zu können.cite-ref-57[57]
Im Kassar Wiek war die IV. Halbflottille in der MorgendĂ€mmerung von der XIII. Halbflottille abgelöst worden. Durch die immer noch nicht beseitigte Minengefahr und das stĂ€ndige Kreuzen zwischen den Untiefen waren die Besatzungen erschöpft, so dass nur eine kleine Anzahl den Ausgang des Wiek nach Osten bewachte, wĂ€hrend die anderen nordwestlich der Keinast-Halbinsel vor kurzer Trosse zu Anker lagen. Gegen 8:30 Uhr lief eine Gruppe deutscher Torpedoboote ostwĂ€rts durch den Kassar Wiek nach Osten, und die russischen Panzerkanonenboote eröffneten das Feuer, worauf die Deutschen sich hinter einem Rauchschleier verbargen und den RĂŒckzug antraten. Vizeadmiral Bachirew befĂŒrchtete, dass dies Vorboten einer unmittelbar bevorstehenden Landung auf Moon sein könnte, und beorderte die III. Torpedobootzerstörer-Division in das Gebiet. Bald nĂ€herten sich drei russische Zerstörer und die beiden Panzerkanonenboote von Osten her und lieferten sich ein Gefecht mit den Eskorten. Als die deutschen Torpedoboote jedoch Anker auf gingen, zogen sie sich wieder zurĂŒck. Gegen Mittag erschienen fĂŒnf Minensucher und machten sich daran, die Mitte des Kassar Wiek von Minen zu sĂ€ubern. Das im Moonsund liegende Linienschiff Slawa und der Panzerkreuzer Admiral Makarow begannen nun, die Torpedoboote ĂŒber Moon hinweg zu beschieĂen. Dabei wurden beide vor Anker liegenden Schiffe durch gezieltes Fluten von Abteilungen nach einer Seite ĂŒbergelegt, um die Erhöhung ihrer GeschĂŒtze und damit die Reichweite zu vergröĂern, wie es bereits 1915 beim Einbruch der Deutschen in den Rigaer Meerbusen praktiziert worden war. Die GeschĂŒtze auf Moon und die nahe der Insel liegenden Zerstörer und Kanonenboote stimmten rasch ein und nahmen dabei auch die im Kleinen Sund operierenden A-Boote und das Lazarettschiff Viola unter Feuer. Gleichzeitig versuchten ein Kanonenboot und ein Zerstörer, durch den sogenannten Strumpf-Kanal, eine enge, tiefe Verbindung zwischen Moonsund und Kassar Wiek, gegen die Angreifer vorzugehen. Die Deutschen erwiderten das Feuer und zogen sich zurĂŒck. Nachdem die Russen abgedreht hatten, setzten die A-Boote ihre Unternehmung trotz des Beschusses ihr eigenes Bombardement fort. Da das russische Feuer sehr gut lag, vermuteten die Deutschen einen Beobachter nahe der KĂŒste und beschossen mit vier Torpedobooten eine halbe Stunde lang wahrscheinliche Beobachtungsposten am Westufer Moons. Vizeadmiral Schmidt forderte einen nĂ€chtlichen Torpedoangriff auf die russische Flotte im Moonsund durch die A-Boote an, die auch endlich die bislang entbehrten Torpedos erhalten hatten. Da er zu hohe Verluste fĂŒrchtete und die Aufgabe der A-Boote im Kleinen Sund fĂŒr noch nicht abgeschlossen hielt â eine Voraussetzung fĂŒr den nĂ€chtlichen Angriff â, sah Kommodore Heinrich jedoch davon ab.cite-ref-58[58]
Das III. Geschwader durchquert die Irben-StraĂe
16. Oktober 1917
Das an diesem Tage herrschende gute Wetter ermöglichte den Einsatz der deutschen Marineflieger und Luftschiffe, nachdem die Seefliegerstation in Arensburg ihren Betrieb wieder aufgenommen hatte. Zwei zweimotorige Bomber griffen von zwei JĂ€gern eskortiert gegen 10 Uhr das östliche Ende des Moondammes an, die Bomben trafen GeschĂŒtzstellungen und setzten ein Munitionslager in Brand. Zwei russische Jagdflugzeuge erschienen, griffen aber die Bomber nicht an. In den frĂŒhen Morgenstunden hatten das Marineluftschiff L30 sowie die Heeresluftschiffe LZ 113 und LZ 120 Pernau auf dem estnischen Festland angegriffen, ihre Bombenlast von 6.000 kg traf das Stadtzentrum und den Hafen. Am Abend wiederholte L37 den Angriff, war aber wegen eines Brandes in der backbordseitigen mittleren Motorgondel zur Umkehr zur Basis im ostpreuĂischen Seerappen gezwungen. Das Luftschiff SL 8 musste ebenfalls umkehren, als in drei seiner fĂŒnf Motoren Probleme auftraten.cite-ref-59[59]
Die Minensucher in der Irben-StraĂe nutzten das gute Wetter ebenfalls aus und rĂ€umten einen 400 m breiten Kanal durch die Sperren. Durch diese LĂŒcke liefen nun die Schlachtschiffe und Kreuzer des deutschen Verbandes und ihre Versorger, denen Sperrbrecher und Minensucher voraus fuhren. Unmittelbar nördlich der Gasse durch die vierte Sperrlinie wurden unerwartet noch mehr Minen gefunden, so dass die Schlachtschiffe und Kreuzer gegen 11 Uhr Halt machen mussten, um ihre Entfernung abzuwarten. Dabei sichtete das Torpedoboot A 62 weiter nördlich eine groĂe Schute, welche die weiĂe Flagge zeigte. Sie entpuppte sich als diejenige, die in der vorhergehenden Nacht von ihrem Schlepper im Verband mit Graschdanin losgerissen war. Zwar gerieten die MĂ€nner nun in Gefangenschaft, entgingen so jedoch der Gefahr durch die Minen. Die gerĂ€umten Gassen wurden fĂŒr den folgenden Verkehr ausgebojt.cite-ref-60[60]
WĂ€hrend der Passage der Irben-StraĂe erhielt Vizeadmiral Behncke per Funk neue Befehle von Vizeadmiral Schmidt und seinem Stab. Statt zunĂ€chst Arensburg als Hafen fĂŒr die II. Staffel der Transporterflotte zu sichern und ihre Entladung zu ĂŒberwachen, sollte er direkt und so schnell wie möglich gegen den Moonsund vorgehen. Behncke beabsichtigte, mit seinen kampfkrĂ€ftigsten Schiffen in der Nacht am Eingang des Moonsundes zu ankern und bei Hellwerden vorzustoĂen, um die russische Flotte dort anzugreifen. Nach Arensburg wurden der Kleine Kreuzer Augsburg mitsamt dem Tross sowie die IV. MinenrĂ€umdivision und die III. Halbflottille entsandt, um dort vorhandene Minen zu rĂ€umen und den Hafen benutzbar zu machen. Die Kleinen Kreuzer StraĂburg und Kolberg, die VIII. Torpedobootsflottille, die XX. Halbflottille und vier Trawler der KĂŒstenschutzhalbflottille Ost wĂŒrden zusammen mit der III. und VIII. MinenrĂ€umhalbflottille, der III. MinenrĂ€umdivision und ihrem Tender Indianola die Schlachtschiffe König und Kronprinz zum Moonsund begleiten. Friedrich der GroĂe wurde nach Abschluss der Besetzung von Sworbe zum Kohlen nach Putzig entlassen, und Markgraf wurde aus der Tagga-Bucht zu Vizeadmiral Behnckes Gruppe abkommandiert.cite-ref-61[61]
Vormarsch des III. Geschwaders zum Moonsund
16. Oktober 1917
Am Abend sichtete das von Hangö aus in den Golf von Riga gelaufene britische U-Boot C27 den deutschen Verband und schoss um 16:30 Uhr zwei Torpedos auf König, die jedoch fehlgingen. Das U-Boot durchbrach nach dem Abschuss der Torpedos die OberflĂ€che, die Deutschen eröffneten jedoch nicht das Feuer, da sie es fĂŒr ein eigenes Boot hielten und den Irrtum zu spĂ€t bemerkten. C27 konnte abtauchen und Torpedos nachladen, und eine Viertelstunde spĂ€ter erzielte es einen Torpedotreffer auf der Indianola, die mit vollgelaufenem Maschinenraum liegenblieb. Das U-Boot musste vor den Angriffen der deutschen Eskorten wegtauchen, blieb bis Einbruch der Dunkelheit unter Wasser und kam dann an die OberflĂ€che, um den Golf von Riga zu verlassen. Es wurde noch einmal von deutschen leichten KrĂ€ften angegriffen, entkam jedoch unversehrt nach Hangö. Das Schwesterboot C32 setzte nahe Kap DomesnĂ€s an der Nordspitze des kurischen Festlandes ebenfalls zum Angriff auf den Verband an, wurde jedoch von einem deutschen Flugzeug ausgemacht und musste alarmtauchen. Zwar erriet der Kommandant Lieutenant Satow den Bestimmungsort der deutschen Kampfgruppe und begab sich zum SĂŒdende des Moonsundes, fand aber in der Nacht den Gegner nicht wieder. Die Indianola wurde in den Hafen von Arensburg geschleppt.cite-ref-62[62]
Gegen 20:30 Uhr warfen die deutschen Kriegsschiffe am sĂŒdlichen Ende des Moonsundes Anker und blieben die Nacht ĂŒber bewacht von Torpedobooten dort liegen. Vizeadmiral Behncke beorderte die Kommandanten der verschiedenen Einheiten am Abend zu einem Treffen an Bord des Flaggschiffes König und unterbreitete den Angriffsplan fĂŒr den nĂ€chsten Tag. Die Positionen der russischen Minenfelder in der Gegend waren durch eine auf der Grom erbeutete Karte bekannt, eins lag im SĂŒden des Eingangs zum Moonsund, das andere weiter nördlich direkt in der MĂŒndung des Sundes. Die Schlachtschiffe sollten zwischen den Minenfeldern hindurch nach Westen laufen und die gegnerische Flotte nahe Kuiwast und die KĂŒstenbatterien ausschalten, wĂ€hrend die Kreuzer in den Kleinen Sund einlaufen und die Batterien bei Woi bekĂ€mpfen sollten. Die MinenrĂ€umer sollten wĂ€hrenddessen westlich von Moon eine Gasse in den Sund bahnen. FĂŒr den Fall, dass die Russen im Schutz ihrer Minenfelder Widerstand leisteten und die MinenrĂ€umboote beschossen, wollte Behncke die gegnerischen schweren Schiffe mit den Schlachtschiffen angreifen.cite-ref-63[63]
Lage am Abend des 16. Oktober
Am Abend des 16. Oktober befand sich fast ganz Ăsel in der Hand der deutschen Heerestruppen, die noch damit beschĂ€ftigt waren, Gefangene einzubringen und die fĂŒr den nĂ€chsten Tag angesetzten Angriffe auf Dagö und Moon vorzubereiten. Das Infanterieregiment 131 hatte die Halbinsel Sworbe besetzt, ohne auf Widerstand zu treffen, die Batterie auf Kap Zerel war unbrauchbar gemacht worden. Die Transporterflotte in der Tagga-Bucht hatte das Entladen des Materials weitgehend abgeschlossen, wĂ€hrend die Schiffe der II. Staffel damit rechnen konnten, im voraussichtlich bald wieder benutzbaren Hafen von Arensburg entladen zu können. Die endlich in den Rigaer Meerbusen vorgedrungenen deutschen schweren Einheiten bereiteten einen entscheidungssuchenden Angriff auf die im Moonsund verbliebenen russischen Einheiten vor.
Die Schlacht im Moonsund
âą Siehe Artikel Schlacht im Moonsund
17. Oktober 1917
WĂ€hrend der Nacht herrschte bei der Gruppe Behncke Unruhe wegen der PrĂ€senz der britischen U-Boote, die sich jedoch als unbegrĂŒndet erwies. Gegen 4:30 Uhr ging per Funk eine Meldung ĂŒber eine bislang unbekannte Minensperre ein, die zwischen den erkannten Minenfeldern in Nord-SĂŒd-Richtung verlaufen sollte. Die Meldung erwies sich spĂ€ter als falsch, brachte den deutschen Angriffsplan aber dennoch durcheinander.cite-ref-64[64]
Gegen 7 Uhr begannen mit Hellwerden die deutschen MinenrĂ€umer mit ihrer Arbeit und sĂ€uberten einen breiten Kanal sĂŒdlich des sĂŒdlichen Minenfeldes. Bald darauf wurden zwei russische Torpedoboote dicht unter der estnischen KĂŒste gesichtet, die Vizeadmiral Bachirew vom deutschen VorstoĂ unterrichteten. Der russische Befehlshaber entschied, dass es zwischen den Untiefen, Minenfeldern und Batterien des Moonsundes trotz seiner massiven Unterlegenheit am leichtesten fallen wĂŒrde, die Deutschen vom weiteren Vordringen abzuhalten, und setzte seine schweren Schiffe in Marsch. Slawa und Graschdanin erschienen bald begleitet von einem Dampfer und einigen Zerstörern auf der Reede von Kuiwast, wĂ€hrend Bachirew wenig spĂ€ter auf seinem Flaggschiff, dem Panzerkreuzer Bajan, folgte. Unterdessen gingen alle verfĂŒgbaren Schiffe Anker auf, und einige zivile Schlepper und Dampfer wurden entlassen, wĂ€hrend die Dampfer Glagol und Pokoj als Blockschiffe vorbereitet wurden. Deutsche Wasserflugzeuge griffen die Reede von Kuiwast mit Bomben an, die zwar wenig Schaden anrichteten, aber höchst beeindruckende Explosionen erzeugten, die ihre Wirkung auf die Russen nicht verfehlten. Die König eröffnete das Feuer auf die Zerstörer, die sich rasch zurĂŒckzogen, wĂ€hrend die russischen Schiffe und auch die schwere Batterie bei Woi ihrerseits das Feuer auf die deutschen MinenrĂ€umer und die Sperrbrecher eröffneten. Die Sperrbrecher wurden zurĂŒckbeordert, die III. MinenrĂ€umhalbflottille machte sich im Moonsund an die Arbeit, wĂ€hrend die VIII. MinenrĂ€umhalbflottille sich in den Kleinen Sund vorarbeitete. Obwohl die Boote langsam fuhren und das russische Feuer gut gezielt war, erhielt keines von ihnen einen ernsthaften Treffer, und kĂŒnstliche RauchwĂ€nde verbargen die MinenrĂ€umer zeitweise vor dem Gegner.cite-ref-65[65]
König und Kronprinz steuerten um 8 Uhr einen östlichen Kurs sĂŒdlich des sĂŒdlichen groĂen Minenfeldes in der Rigaer Bucht. Die Slawa, die etwas weiter nach Norden auĂer Reichweite der Deutschen gelaufen war, wechselte das Ziel und beschoss nun auf eine Entfernung von mehr als 20.000 m die Schlachtschiffe. Obwohl das russische Linienschiff mit nur vier 30,5 cm-GeschĂŒtzen deutlich schwĂ€cher bewaffnet war als die beiden deutschen Dreadnoughts mit jeweils zehn GeschĂŒtzen Ă€hnlichen Kalibers, hatte sie doch den Vorteil der gröĂeren Reichweite durch speziell modifizierte Lafetten, die eine gröĂere Erhöhung der Rohre zulieĂen. Die Salven der deutschen Schlachtschiffe lagen daher zu kurz, und sie standen im flachen und engen Sund zwischen den Minen in einer schlechten Position. Erneut lag das russische Feuer gut, Treffer gab es jedoch keine, obwohl einige Granaten nur etwa 50 m von der König entfernt einschlugen. Die Slawa bekam nach einiger Zeit Schwierigkeiten mit dem vorderen schweren GeschĂŒtzturm, der sich durch einen Getriebeschaden nicht mehr drehen lieĂ, und bekĂ€mpfte die MinenrĂ€umer stattdessen mit den achteren GeschĂŒtzen. Vizeadmiral Behncke zog seine schweren Schiffe vorerst zurĂŒck und lief nach Westen ab.cite-ref-66[66]
Vizeadmiral Bachirew war klar, dass die deutsche Angriffsplanung hinfĂ€llig werden wĂŒrde, wenn die Minensucher im Moonsund ihre Aufgabe nicht durchfĂŒhren konnten. Entsprechend nahmen die Kriegsschiffe und KĂŒstenbatterien gegen 9:10 Uhr die III. MinenrĂ€umhalbflottille unter schweres Feuer, erzielten jedoch keine bedeutenden Treffer, und die MinenrĂ€umer setzten ihre Arbeit fort. Gegen 10 Uhr erhielt sie UnterstĂŒtzung durch die III. MinenrĂ€umdivision, wĂ€hrend die Schlachtschiffe zwischen den Larina- und Awanasewa-BĂ€nken warteten. Behncke beabsichtigte, die III. MinenrĂ€umhalbflottille bis nördlich des nördlichen Minenfeldes vorrĂŒcken zu lassen und dann selbst schnell nachzustoĂen, um das russische Feuer zu unterlaufen und die gegnerischen schweren Schiffe endlich in Reichweite zu bekommen. Die russischen schweren Schiffe zogen sich wĂ€hrenddessen nach Norden zurĂŒck, damit die Mannschaften Essen fassen konnten, nĂ€herten sich aber gegen 10 Uhr wieder dem Kampfgebiet, um erneut in das Gefecht einzugreifen.cite-ref-67[67]
Um 10 Uhr hatten die MinenrĂ€umer die vorgesehene Position erreicht, Vizeadmiral Behncke lieĂ seine beiden Schlachtschiffe mit Ă€uĂerster Kraft voraus nach Norden preschen und war bald nahe genug, um das Ziel fassen zu können. Um 10:13 Uhr eröffnete die König das Feuer auf die Slawa, vier Minuten spĂ€ter begann die Kronprinz auf die Graschdanin zu feuern. Die König hatte sich bald auf das Ziel eingeschossen, drei Granaten der dritten Salve trafen die Slawa etwa 3 bis 3,5 m unter der Wasserlinie. Zwei von ihnen durchschlugen die Panzerung, wĂ€hrend die dritte den Seitenpanzer an Backbord nicht durchdringen konnte. Eine der Granaten explodierte nahe dem vorderen Dynamoraum und riss ein 3,6 m breites Loch unter der Wasserlinie in den inneren Rumpf, der Wallgang und das vordere Munitionsmagazin liefen ebenfalls voll, und im Vorschiff fiel der Strom aus. Das andere explodierte nahe dem Ankerspill und erzeugte einen weiteren heftigen Wassereinbruch, etwa 1.130 Tonnen Wasser drangen ins Vorschiff ein, und das Linienschiff zeigte bald 8° Backbordschlagseite, die jedoch durch Gegenfluten auf 4° vermindert werden konnte. Der Tiefgang stieg vorn auf 10,5 m und achtern auf 9,9 m an. Die Graschdanin erhielt ihrerseits fast gleichzeitig zwei Treffer, von denen einer nahe dem Heck einschlug und einen rasch gelöschten Brand auslöste, der andere detonierte am GĂŒrtelpanzer nahe einem 15,2 cm-Turm, und Splitter beschĂ€digten zwei Dynamos und mehrere Dampfrohre im Maschinenraum. Um 10:24 Uhr erhielt die Slawa zwei weitere Treffer im Vorschiff, eine Granate schlug an Backbord nahe dem vorderen Schornstein ein und verwĂŒstete die als Verbandsplatz genutzte Kapelle, wobei mehrere Seeleute getötet oder verwundet wurden und ein Feuer ausbrach. Das zweite Geschoss detonierte auf dem Batteriedeck, Gas und Rauch drangen bis zum Kesselraum vor, und ein in der NĂ€he gelegenes Magazin fĂŒr 15,2 cm-Granaten wurde als VorsichtsmaĂnahme geflutet. Die BrĂ€nde konnten aber bereits nach etwa einer Viertelstunde gelöscht werden, und um 10:30 Uhr befahl Vizeadmiral Bachirew allen Schiffen den RĂŒckzug in den nördlichen Moonsund. Das Flaggschiff Bajan bot sich als Ablenkungsziel an, um den RĂŒckzug der Linienschiffe zu decken, und eine Serie schneller Kurs- und Fahrtwechsel bewahrten das Schiff zunĂ€chst vor Treffern, obwohl es in schneller Folge von acht gegnerischen Salven eingegabelt wurde.cite-ref-68[68]
Um 10.39 Uhr erzielte die König zwei weitere Treffer auf der Slawa, erneut unter der Wasserlinie. Einer richtete schwere VerwĂŒstungen in den Mannschaftsquartieren an und tötete drei Mann, der andere durchschlug den PanzergĂŒrtel und blieb im Schott eines Kohlenbunkers stecken. Die Slawa war mittlerweile auĂer Reichweite, die König beschoss nun die Bajan und erzielte um 10:36 Uhr mit ihrer letzten Salve einen gefĂ€hrlichen Treffer an der Steuerbordseite zwischen BrĂŒcke und vorderem 20,3 cm-Turm, der Ober- und Batteriedeck durchschlug und im Kabelgatt tief im Innern des Schiffes detonierte, wo sich viel brennbares Material befand. Ein schweres Feuer brach aus, das erst nach 24 Stunden endgĂŒltig gelöscht werden konnte, die Explosion zerriss weiterhin acht Spanten, beschĂ€digte ein Schott und riss mehrere Platten des Doppelbodens sowie einige Panzerplatten des GĂŒrtelpanzers aus der Verankerung. Die in der NĂ€he des Brandherdes gelegenen Munitionsmagazine mussten sicherheitshalber geflutet werden, und durch Splitter entstandene Lecks lieĂen noch mehr Wasser herein. Insgesamt drangen 1.000 Tonnen Wasser ein, so dass der Tiefgang vorn schlieĂlich 7,9 m betrug. Zwei MĂ€nner wurden sofort beim Einschlag der Granate getötet, drei weitere erlagen spĂ€ter ihren Verletzungen, drei wurden verwundet. Die russischen Schiffe setzten zunĂ€chst das Feuer auf die MinenrĂ€umer fort, ehe sie auf die Schlachtschiffe schossen, die aber unbeschĂ€digt blieben. Um 10:40 Uhr stellten die deutschen Schlachtschiffe das Feuer ein, und eine Staffel von sechs Wasserflugzeugen griff die kleineren ablaufenden russischen Schiffe mit etwa vierzig Bomben an, erzielte jedoch keine Treffer. Der schwere Beschuss und der gleichzeitige Luftangriff beeintrĂ€chtigte jedoch die Moral der Besatzungen, insbesondere auf den Minenlegern mit ihrer gefĂ€hrlichen Ladung, was die Slawa aber nicht hinderte, einen der Angreifer abzuschieĂen.cite-ref-69[69]
Dem KapitĂ€n der Slawa, KapitĂ€n 1. Ranges Wladimir Antonow, wurde bald klar, dass sich sein Schiff dem RĂŒckzug nicht anschlieĂen konnte. Zwar war sie nicht kritisch beschĂ€digt, das viele eingedrungene Wasser hatte jedoch den Tiefgang so vergröĂert, dass sie den ausgebaggerten Kanal durch den Moonsund nicht mehr passieren konnte. Antonow schlug daher vor, sie nach dem Abzug von Bajan und Graschdanin mitten im Fahrwasser als Blockschiff zu versenken, und Bachirew nahm den Vorschlag an. Die Besatzung der Slawa, die wĂ€hrend des Gefechtes die Disziplin noch gehalten hatte, geriet ob des ĂŒberstandenen schweren gegnerischen Feuers jedoch zunehmend in Panik. Etwa hundert der jĂŒngsten Matrosen verlieĂen nach und nach ihre Posten und legten Schwimmwesten an. Der Soldatenrat an Bord lieĂ den Maschinenraum voreilig evakuieren, so dass niemand die Maschinenbefehle des Kommandanten ausfĂŒhrte und das Schiff nicht rechtzeitig zum Halten kam. Es lief sĂŒdöstlich der gewĂŒnschten Position auf Grund, wo es kein Hindernis darstellte, und wurde so stattdessen an Ort und Stelle selbst versenkt. Dabei mussten panische Matrosen mit vorgehaltener Waffe daran gehindert werden, einfach ĂŒber Bord in die LĂŒcke zwischen der Bordwand der Slawa und der eines lĂ€ngsseits gehenden Zerstörers zu springen, der die Besatzung ĂŒbernehmen wollte. KapitĂ€n Antonow verlieĂ als letzter das Schiff, und um 11:55 Uhr wurde das achtere 30,5 cm-Magazin gesprengt. Die Explosion war weithin zu sehen und zu hören, noch im Kassar Wiek 25 km weiter östlich war der enorme Rauchpilz sichtbar. Zudem schossen drei Zerstörer sechs Torpedos auf das Wrack, von denen nur einer von Bord der Turkmenez Stawropolski tatsĂ€chlich explodierte.cite-ref-70[70]
Angriff auf Moon
17. Oktober 1917
Nach dem Ende des Gefechtes im Moonsund war den Russen klar, dass sie ihre Position nicht viel lĂ€nger wĂŒrden halten können. Vizeadmiral Bachirew ordnete daher die Sperrung des Sundes und der Reede von Kuiwast fĂŒr den Gegner mit Blockschiffen und Minen an. Vor Kuiwast konnten jedoch keine Minen mehr gelegt werden, da die sie transportierenden Versorgungsschiffe bereits nach Norden abgelaufen waren. Die zurĂŒckgehenden Russen konzentrierten ihre Anstrengungen entsprechend auf die Blockade des Moonsundes und begannen mit der Verminung des Strumpf-Kanals. Die bereits vorbereiteten Dampfer Glagol und Pokoj sowie die General Zimmermann und das Lotsenschiff Artelschtschik wurden von Zerstörern als Blockschiffe im nur 60 m breiten Hauptfahrwasser des Moonsundes versenkt, was den deutschen Kreuzern das Passieren unmöglich machte. Die Schlachtschiffe konnten ohnehin nicht hoffen, in den an der flachsten Stelle lediglich neun Meter tiefen Kanal einzulaufen. Die russischen Zerstörer Voiskovoi und Zabaikaletz begannen auĂerdem damit, das Gebiet um die Blockschiffe zu verminen.cite-ref-71[71]
WĂ€hrend die Russen ihren RĂŒckzug deckten, gerieten die deutschen Schlachtschiffe mit den KĂŒstenbatterien ins Gefecht. Um 10:46 Uhr eröffnete die Batterie Werder das Feuer, und König schoss zurĂŒck, worauf die Batterie das Feuer bald wieder einstellte. Auch hier machte sich Panik breit, und ein groĂer Teil der Batteriebesatzung flĂŒchtete. Bald darauf zeigten Rauch und Flammen bei der Batterie und der nahe gelegenen Signalstation, dass die Russen dabei waren, die Gegend zu rĂ€umen. Kurz nach 11 Uhr ankerten die beiden Schlachtschiffe nahe Selglaid und gerieten mit den Batterien bei Woi ins Gefecht. König erwiderte das Feuer und gab einzelne, gezielte SchĂŒsse ab. Um 11:26 Uhr gab es einen â falschen â U-Bootalarm, jedoch wollte Vizeadmiral Behncke seine Schiffe nicht unnötig der durchaus realen Gefahr eines Torpedoangriffes aussetzen und ging wieder Anker auf. Die Schlachtschiffe fuhren nun in dem freigerĂ€umten Kanal mit geringer Fahrt in ostwestlicher Richtung gedeckt von Torpedobooten hin und her. Um 12:06 Uhr wurde erneut U-Bootalarm gegeben: Das britische Boot C26 war von Hangö aus sĂŒdwĂ€rts gelaufen und befand sich nun sĂŒdlich des Moonsundes in gĂŒnstiger Position. Das flache Wasser machte dem Kommandanten Lieutenant Downie jedoch zu schaffen, und bevor er in Schussposition gelangen konnte, lief er hart auf Grund. Das Boot konnte sich nicht unter Wasser freimachen, weshalb Downie die achteren Ballasttanks anblasen lieĂ. Dabei durchbrach das U-Boot die OberflĂ€che und wurde sofort von den Deutschen gesichtet. Die Torpedoboote griffen mit GeschĂŒtzfeuer und Wasserbomben an und jagten das U-Boot mehr als zwei Stunden lang. Zeitweise geriet es in ein U-Bootnetz, konnte sich aber wieder befreien, wobei die Schrauben beschĂ€digt wurden. Erst am Abend konnte Downie auftauchen und stellte fest, dass zudem die Tiefenruder beschĂ€digt und verklemmt waren, und ging nach Pernau in die Werft. Erst im Dezember konnte C26 nach behelfsmĂ€Ăigen Reparaturen nach Hangö entkommen.cite-ref-72[72]
In der Zwischenzeit rĂŒckten die deutschen Schiffe weiter den Moonsund hinauf vor, die MinenrĂ€umer kamen jedoch aufgrund des auffrischenden Windes aus SĂŒd-SĂŒdost und zunehmenden Seeganges nur langsam voran. Die kleinen Motorboote der III. MinenrĂ€umdivision mussten sogar die Arbeit einstellen. Nahe der Reede von Kuiwast stieĂen die MinenrĂ€umer auf eine starke Netzsperre, die sie nicht zu durchbrechen vermochten. Vizeadmiral Behncke lieĂ deshalb gegen 15:40 Uhr die Arbeit einstellen, und um 17 Uhr lagen die Schlachtschiffe sĂŒdwestlich des sĂŒdlichen groĂen Minenfelds, geschĂŒtzt von Torpedobooten, vor Anker.cite-ref-73[73]
Im Kleinen Sund rĂŒckte Kontreadmiral Hopman mit seinen Kreuzern gegen Moon vor. ZunĂ€chst gab es Verzögerungen, da die MinenrĂ€umer eine falsche Positionsmeldung des sĂŒdlichen Minenfeldes erhalten hatten und erst die sĂŒdwestliche Ecke rĂ€umten, statt sich auf die vorgesehene Fahrrinne zu konzentrieren. Auf der anderen Seite lief das durch T 144 eskortierte Lazarettschiff Viola in den nördlichen Kleinen Sund ein, um die Verwundeten bei Orissar zu bergen. Gegen 8:50 Uhr hatten die A-Boote ihre MunitionsvorrĂ€te aufgefĂŒllt und begannen auf Anfrage der Infanterie auf Ăsel mit dem Bombardement des nördlichen Endes des Moondammes. Das von zwei Wasserflugzeugen gelenkte Feuer war gut gezielt und verursachte zahlreiche Verluste bei den Verteidigern. Im Verlauf des Morgens meldeten AufklĂ€rungsflugzeuge, dass Moon nur noch spĂ€rlich vom Feind besetzt sei. Ein GroĂteil der Garnison war offenbar bereits evakuiert worden, und die Vorbereitungen zum Ăbersetzen wurden dementsprechend beschleunigt. Erst gegen Mittag konnten die MinenrĂ€umer und Kreuzer in den sĂŒdlichen Kleinen Sund eindringen. Die Kolberg deckte die Batterien bei Woi zehn Minuten lang mit Granaten ein. Die Russen erwiderten das Feuer nicht, denn auch die Besatzungen dieser Batterie suchten fast geschlossen das Weite. Gegen 14:30 Uhr ankerten StraĂburg und Kolberg am sĂŒdlichen Ende des Kleinen Sundes, und Hopman setzte eine Landungsabteilung an Land, um die Batterien wegzunehmen. Gegen 16:45 Uhr begann die 6. Kompanie des Infanterieregiments 138 unter der Deckung von RauchwĂ€nden und heftigem Artilleriefeuer aus FeldgeschĂŒtzen nahe Kegova mit dem Ăbersetzen, und Hauptmann Winterfeldts Sturmkompanie 18 drang ĂŒber den Damm gegen die Insel vor. Das Todesbataillon leisteten heftige Gegenwehr mit MG- und Artilleriefeuer und hielt die Angreifer im Westen der Insel fest, bei der Explosion eines Magazins nahe dem Nordende des Dammes wurde ein aufgegebener russischer Panzerwagen zerstört. Die meisten anderen russischen Truppen auf Moon waren jedoch in Panik und weigerten sich, den Deutschen Widerstand zu leisten. Erst nach Mitternacht zogen sie sich auf Positionen zwischen Nauze und Linnust zurĂŒck. Um 17:30 Uhr meldete die Landungsabteilung, dass die Batterie in ihrer Hand, aber unbrauchbar gemacht sei, und die vorrĂŒckende Sturmkompanie konnte auf Moon FuĂ fassen.cite-ref-74[74]
Im Kassar Wiek war die Lage den Tag ĂŒber ruhig geblieben, lediglich das MinenrĂ€umen ging weiter, und die Torpedoboote der II. Flottille und XIII. Halbflottille ĂŒbernahmen neue 10,5-cm-Artilleriemunition. Kommodore Heinrich sah und hörte das heftige Gefecht im Moonsund von weitem mit an und entschied, einen nĂ€chtlichen VorstoĂ mit Torpedobooten in den sĂŒdlichen Moonsund zu unternehmen. Ein VorstoĂ in den nördlichen Teil erschien zu gefĂ€hrlich, es waren jedoch wegen der durch Gefechte und GrundberĂŒhrungen erlittenen SchĂ€den lediglich vier Boote fĂŒr diese Aufgabe tauglich. Um 22 Uhr liefen S 50, S 61, S 64 und V 74 vorsichtig lotend in den sĂŒdlichen Moonsund, wobei S 50 als Navigationshilfe im Eingang des Sundes verblieb. KapitĂ€nleutnant Zander, der das Kommando fĂŒhrte, hatte sich zuvor mit Vizeadmiral Behncke in Verbindung gesetzt und erfahren, dass in der Gegend keine deutschen Schiffe mehr lagen, so dass bei Sichtungen keine Zweifel an ihrer IdentitĂ€t entstehen konnten. Kurz nach Mitternacht wurde S 64 jedoch von einer heftigen Minendetonation erschĂŒttert, der Kesselraum lief voll, und das Boot wurde manövrierunfĂ€hig, schwamm jedoch noch. Durch die Detonation waren mehrere in der Gegend gelegte Minen losgekommen und schwammen nun an der OberflĂ€che, und KapitĂ€nleutnant Zander entschloss sich zum Abbruch der Unternehmung. Bei dem Abschleppversuch geriet das Boot jedoch auf Grund und musste gesprengt werden. V 61 ging zuvor lĂ€ngsseits und ĂŒbernahm die Besatzung. Sechs MĂ€nner waren im Kesselraum ums Leben gekommen, und fĂŒnf waren verletzt worden. Die anderen Boote hatten bei GrundberĂŒhrungen Lecks und SchraubenschĂ€den davongetragen, so dass nur der RĂŒckzug blieb.cite-ref-75[75]
Weiterer Landungsversuch auf Dagö
17. Oktober 1917
WĂ€hrenddessen hatte die Abteilung Ahlefeld einen weiteren Landungsversuch auf Dagö unternommen. Um 9:25 Uhr begann Kaiser mit einem vorbereitenden Artilleriebeschuss auf den BrĂŒckenkopf, und um 10 Uhr ging das Landungskorps erneut an Land. Patrouillen drangen tief in das Innere der Insel vor, trafen jedoch auf Widerstand und hatten Verluste. Transporter versuchten, nahe Toffri Material zu entladen, fanden aber die AnkerplĂ€tze noch unfertig vor. Auch das eigentlich an der Landung zu beteiligende Radfahrerbataillon kam erst verzögert an, so dass der Landekopf am Abend wieder gerĂ€umt werden sollte. Da sich die Evakuierung der Verwundeten schwierig gestaltete, blieb der Landekopf ĂŒber Nacht dennoch besetzt, und es standen Trawler zur Evakuierung im Falle eines entschlossenen russischen Angriffs bereit. Obwohl den Tag ĂŒber heftig gekĂ€mpft worden war, blieb in der Nacht alles ruhig.cite-ref-76[76]
Am Abend gaben die russischen Flottenchefs den Befehl zum RĂŒckzug in den Finnischen Meerbusen. Die StĂŒtzpunkte in der Gegend sollten gerĂ€umt und zerstört und die Truppen evakuiert werden, wobei die Besatzung von Dagö bis zuletzt ausharren sollte. Kurze Zeit spĂ€ter erhielt Vizeadmiral Bachirew auĂerdem Kenntnis vom geplanten deutschen VorstoĂ in den Finnischen Meerbusen, offenbar war der Funkspruch Vizeadmiral Schmidts aufgefangen und entschlĂŒsselt worden. Entsprechend plante er, den Moonsund bis 16 Uhr am 18. Oktober zu verlassen. Zwar wollte der Flottenchef Admiral Naswosoff zur Hilfe eilen und begann, Vorbereitungen zum Auslaufen zu treffen, wurde jedoch vom GroĂen Hauptquartier zurĂŒckgepfiffen.cite-ref-77[77]
Lage am Abend des 17. Oktober
Am Ende des Tages befanden sich der sĂŒdliche Moonsund und ganz Ăsel fest in deutscher Hand. Die Transporterflotte in der Tagga-Bucht hatte das Entladen beendet, und Arensburg wĂŒrde am nĂ€chsten Tage als Hafen auf Ăsel zur VerfĂŒgung stehen. Die deutschen Truppen hatten einen BrĂŒckenkopf auf Moon gebildet und standen bereit, am nĂ€chsten Tag erneut auf Dagö zu landen. Vizeadmiral Schmidt entschloss sich deshalb, einen VorstoĂ in den Finnischen Meerbusen zu wagen und die russische Flotte im Moonsund einzuschlieĂen; diese Unternehmung bedurfte jedoch der Genehmigung durch den Kaiser.
Die Einnahme von Dagö und Moon
18. Oktober 1917
Am Morgen nahmen die MinenrĂ€umer im Kassar Wiek ihre Arbeit wieder auf. Kurz nach Mittag lief das GroĂe Torpedoboot (Zerstörer) B 111 auf eine Mine, die Detonation riss das Vorschiff ab, das Boot blieb aber schwimmfĂ€hig. Zwei Tote und sechzehn Verletzte sowie drei Vermisste waren zu beklagen, das beschĂ€digte Boot wurde spĂ€ter nach Libau geschleppt. In der Zwischenzeit hatte Kommodore Heinrich persönlich Vizeadmiral Schmidt Bericht erstattet und erhielt den Befehl, offensive Operationen nach Ermessen durchzufĂŒhren.cite-ref-78[78]
Am selben Morgen begann der endgĂŒltige Angriff auf Dagö. Noch vor Anbruch der DĂ€mmerung nahm die Emden eine Bombardementsposition nahe Emmast ein und belegte die Gegend zwischen 7:15 Uhr und 8 Uhr mit 170 Granaten. Im Verlauf des Morgens setzten T 144, A-Boote, Trawler und Boote das II. Radfahrerbataillon bei Serro an Land, unter deren Schutz Feldbatterien und anderes schweres GerĂ€t gelandet werden konnten. Die Russen hatten eine deutsche Landung an der SĂŒdspitze Dagös vorhergesehen und sich auf Widerstand und einen geordneten RĂŒckzug eingerichtet. Bei Eintreffen der Deutschen ordnete der Kommandeur Oberst Vaselago den RĂŒckzug auf eine vorbereitete Verteidigungslinie nördlich der Halbinseln Dagerort und die Sprengung der Batterien und Verteidigungsanlagen bei Serro an. Dies wurde jedoch von den Soldaten als Anzeichen ausgelegt, dass alles verloren sei, und so griff auch hier bald Panik um sich, und die russischen Soldaten ergriffen kopflos die Flucht, wobei es immer wieder zu PlĂŒnderungen kam.cite-ref-barrett-s-183-79-0[79] Die demoralisierten Russen meuterten und weigerten sich gröĂtenteils, Widerstand zu leisten. Sie zogen sich auf den einzigen Hafen der Insel bei Helterma zurĂŒck, um auf ihre Evakuierung zu warten.cite-ref-80[80] Wie auch auf Moon versuchte die Marine, wenigstens einige MĂ€nner zu evakuieren, und entsandte drei Dampfer. Zwei davon liefen jedoch auf Grund, von denen nur einer wieder flott gemacht werden konnte, und nur ein Dampfer kam mit einigen Soldaten an Bord zurĂŒck zum Festland.cite-ref-barrett-s-183-79-1[79]
Im sĂŒdlichen Moonsund hatten die MinenrĂ€umer, auch wegen einiger kommunikativer Probleme mit groĂen Schwierigkeiten zu kĂ€mpfen. Zwar hatten die FĂŒhrerboote Karten mit den Positionen der bekannten Minenfelder erhalten, nicht aber die RĂ€umboote selbst. Das Boot T 66 lief nahe Paternoster auf eine Mine und sank sofort, siebzehn MĂ€nner kamen ums Leben, und nur der Kommandant und sechs MĂ€nner konnten gerettet werden. WĂ€hrenddessen waren die Schlachtschiffe weiter sĂŒdlich wieder Anker auf gegangen und steuerten erst sĂŒdlich, dann östlich an den Minenfeldern vorbei. Kurz nach 10 Uhr beorderte Vizeadmiral Behncke den Kreuzer StraĂburg und die MinenrĂ€umer der VIII. MinenrĂ€umhalbflottille zur UnterstĂŒtzung der Schlachtschiffe nach Osten, wĂ€hrend die Kolberg und die anderen Schiffe Kontreadmiral Hopmans zur Deckung der Truppen in der NĂ€he im Kleinen Sund verblieben. Um 12:40 Uhr meldete die Markgraf, dass sie nahe Kalkgrund auf Grund gelaufen sei, sich aber mittlerweile wieder befreit habe. Einige Markierungsbojen fĂŒr den minenfreien Kanal waren durch Wind und Seegang losgerissen.cite-ref-81[81]
Mittlerweile hatte die III. MinenrĂ€umhalbflottille und zwei Boote der VIII. Halbflottille die Reede von Kuiwast erreicht und bestĂ€tigten die Versenkung der Slawa, das immer noch brennende Wrack war westlich der Insel Papilaid gut sichtbar. Nahebei lagen die vier versenkten Dampfer, die den Sund versperrten, und weiter nördlich waren zwei russische Zerstörer zu sehen, die mit dem Legen eines weiteren Minenfeldes beschĂ€ftigt waren. Die Torpedoboote V 180 und V 184 liefen um 14:15 Uhr mit Höchstfahrt zum Angriff nach Norden und eröffneten das Feuer, gerieten jedoch selbst in das Feuer eines weiteren russischen Zerstörers und eines Panzerkanonenbootes, die sich im Strumpf-Kanal befanden. Vizeadmiral Bachirew hatte sie zur Eskorte einiger flachbodiger Fahrzeuge entsandt, die den Rest der Garnison von Moon evakuieren sollten. Die Fahrzeuge zogen sich vor dem deutschen Angriff zurĂŒck, die Deutschen drehten jedoch ihrerseits vor dem gut liegenden russischen Artilleriefeuer ab und setzten sich unter dem Schutz einer kĂŒnstlichen Rauchwand nach SĂŒden ab.cite-ref-82[82]
Vizeadmiral Behncke entsandte sofort StraĂburg und Kronprinz zu ihrer UnterstĂŒtzung, die russische Netzsperre verwehrte gröĂeren Schiffen jedoch die Durchfahrt zur Reede von Kuiwast. Die schweren Schiffe versuchten die Passage trotzdem, wobei beide Schiffe GrundberĂŒhrung hatten, aber unbeschĂ€digt blieben. Gegen 14:15 Uhr fanden die MinenrĂ€umer eine zweihundert Meter breite LĂŒcke in der Netzsperre, die zur Passage gröĂerer Schiffe gedacht war, und A 62 gelang es, sie zu öffnen. Die Wassertiefe betrug hier 14 m, so dass Vizeadmiral Behncke am Abend mit seinen schweren Einheiten am SĂŒdende des Moonsundes ankern konnte. Die Minensucher setzten ihre Arbeit fort, fanden jedoch bis hin zur Insel Schildau keine weiteren Minen.cite-ref-83[83]
Auf Moon rĂŒckten die Deutschen weitgehend ungehindert vor, lediglich im Nordosten bei Kallast gab es noch Widerstand, da die russische Garnison noch auf Evakuierung hoffen durfte. Der GroĂteil der Garnison war zur Aufgabe bereit, lediglich die Soldaten des Todesbataillons beharrten auf dem Ăbersetzen zum Festland. Die Deutschen gingen jedoch nicht darauf ein und forderten die Ăbergabe bis 13:00 Uhr, andernfalls werde man angreifen. Da die Frist ungenutzt verstrich, begann das Infanterieregiment 138 mit dem Angriff auf Kallast und zwang die Russen schlieĂlich zur Aufgabe.cite-ref-84[84] WĂ€hrend der Kapitulationsverhandlungen trafen jedoch Marineschiffe ein, denen es gelang, einige Soldaten zu bergen, wĂ€hrend das Todesbataillon den RĂŒckzug deckte. Die Deutschen nahmen etwa 5.000 russische Soldaten gefangen.cite-ref-85[85]
Vizeadmiral Bachirew hatte geplant, gegen 16 Uhr mit seinen verbliebenen Einheiten den Moonsund zu rĂ€umen. Verzögerungen beim MinenrĂ€umen der Abmarschroute, auf der von U-Booten gelegte Minen entdeckt worden waren, fĂŒhrten jedoch dazu, dass der Aufbruch um einen Tag verschoben werden musste.
Lage am Abend des 18. Oktober
Gegen Abend hatten die Deutschen den SĂŒdteil von Dagö und Moon in ihre Hand gebracht, die zweite Staffel der Transportflotte begann in Arensburg damit ihr Material zu entladen und die Marine arbeitete sich stetig durch den Moonsund nach Norden vor. Die Unternehmung in den Finnischen Meerbusen war noch in der Planungsphase, aber bereits vom Admiralstab genehmigt, lediglich die Zustimmung des Kaisers stand noch aus. Die Russen hatten ihre Basen gerĂ€umt und bereiteten den RĂŒckzug aus dem Moonsund vor, lediglich im Norden von Dagö hielt die Garnison noch stand.
RĂŒckzug der Russen aus dem Moonsund
19. Oktober 1917
An diesem Tag ereignete sich um Moon herum kaum etwas ErwĂ€hnenswertes. Das MinenrĂ€umen schritt weiter voran, so dass Kolberg und StraĂburg abends nahe Schildau ankern konnten, und weitere deutsche Truppen wurden nach Dagö verlegt. Am Abend ergab sich der Rest der russischen Garnison, so dass auch diese Insel völlig in deutscher Hand war. In Arensburg ging das Entladen der II. Staffel der Transportschiffe weiter, im Rigaer Meerbusen nahmen deutsche Netzleger und Minenkreuzer ihre Arbeit auf.cite-ref-86[86]
Um 16 Uhr verlieĂ die russische Flotte, begleitet von zahlreichen Dampfern und Hilfsschiffen und abgeschirmt durch Zerstörer und Minensucher, bei ruhigem Wetter den nördlichen Moonsund. Die Sicht betrug nur etwa drei bis vier Seemeilen, so dass nicht viel Gefahr bestand, gesichtet zu werden. Bachirew vermutete jedoch richtig, dass der Kanal vom Moonsund nach Hangö von deutschen U-Booten bewacht werden wĂŒrde, und wĂ€hlte deshalb eine weiter östlich liegende Route, die von der Insel Odensholm nach Norden fĂŒhrte. Die deutschen U-Boote kamen nicht zum Schuss, und alle Schiffe mit Ausnahme eines nahe Spithamn auf Grund geratenen Transporters erreichten sicher ihren Bestimmungsort.cite-ref-87[87]
Endphase der Unternehmung
Am 20. Oktober griff das im Rigaer Meerbusen eingeschlossene britische U-Boot C32 den deutschen Netzleger Eskimo mit Torpedos an, die jedoch fehlgingen. Beim Abschuss durchbrach das Boot die WasseroberflĂ€che, und die deutschen Torpedoboote S 176 und V 186 attackierten es mit Wasserbomben. Dabei nahm das britische U-Boot schweren Schaden, der Kompass und das Licht im Achterschiff fielen aus, und im Turm kam es zu einem Wassereinbruch. In zwanzig Metern Tiefe schlich das Boot in Richtung Runö davon und tauchte um 20 Uhr im Schutz der Dunkelheit auf. Der Kommandant Lieutenant Christopher P. Satow kam nach einer Aufnahme der SchĂ€den zu dem Ergebnis, dass das Boot nicht zu retten sei, da er nicht nur den Moonsund und die Irben-StraĂe in deutscher Hand wĂ€hnte, sondern auch den russischen Hafen Pernau auf dem estnischen Festland. Er entschloss sich daher, das Boot an Ort und Stelle zu versenken und mit seiner Besatzung ĂŒber Land nach Reval zu marschieren. Am nĂ€chsten Morgen erfuhr er zwar, dass Pernau noch in russischer Hand war, da sich aber deutsche Torpedoboote seinem Boot nĂ€herten und es auch bei einem Entkommen nach Pernau keine Chance gehabt hĂ€tte, den Rigaer Meerbusen zu verlassen, lieĂ er C32 sprengen.cite-ref-88[88]
Nachspiel und Auswirkungen
Als sich am 18. Oktober der Verlust der Inseln abzuzeichnen begann, berief der Oberbefehlshaber und MinisterprĂ€sident Alexander Kerenski bei einem Besuch beim Hauptquartier der russischen Heeresgruppe Nordfront eine Strategiebesprechung ein. Mit dem Verlust der Inseln war die Flanke der russischen Front bedroht und ihr Nachschub ĂŒber See abgeschnitten, und eine Landung in ihrem RĂŒcken barg groĂe Risiken fĂŒr die dahinterliegende Marinebasis Reval, die Verteidigung des Finnischen Meerbusens und die Hauptstadt Petrograd. WĂ€hrend die Invasion noch lief, traf man Vorbereitungen zur Verteidigung der ZugangsstraĂen nach Reval und diskutierte einen Einsatz der Flotte zur Abwehr eines seegestĂŒtzten Angriffs.cite-ref-89[89] Als sich jedoch abzeichnete, dass die deutschen Truppen und Schiffe an die Westfront und in die Nordsee abzogen, beruhigte sich die Lage wieder etwas. Es war jedoch unĂŒbersehbar, dass sich die russischen StreitkrĂ€fte in einem kritischen Zustand befanden und bei einer weiteren Verschlechterung die realistische Gefahr einer völligen Auflösung bestand. Wenige Tage spĂ€ter begann Russland separate Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Deutschen Reich, und kurz darauf stĂŒrzten die Bolschewiki die Regierung Kerenski â der BĂŒrgerkrieg und der Weg Russlands aus dem Krieg hatten endgĂŒltig begonnen.cite-ref-90[90] Mit dem RĂŒckzug der russischen Flotte und der Ăbergabe der Garnison auf Dagö war die Unternehmung beendet. Unter geringen Verlusten hatten die deutschen StreitkrĂ€fte die drei Inseln erobert und dabei den Russen schwere Verluste zugefĂŒgt, die erdrĂŒckende Ăberlegenheit zur See, die hervorragende logistische Planung und die groĂe Geschwindigkeit, mit welcher der Angriff vorgetragen wurde, lieĂen dem desorganisierten Gegner kaum Zeit zum Reagieren. Der Gewinn der den Golf von Riga und den Eingang zum Finnischen Meerbusen beherrschenden Inseln beschleunigte den Zusammenbruch Russlands betrĂ€chtlich und machte ein gröĂeres Gefecht mit den verbleibenden russischen Flotteneinheiten unwahrscheinlich, so dass die schweren Schiffseinheiten der Hochseeflotte bald in die Nordsee zurĂŒckkehren konnten. Die Marine hatte in hervorragender Abstimmung mit dem Heer zusammengewirkt und die gesteckten Angriffsziele ohne groĂe MĂŒhe erreicht und konnte ihr Ansehen deutlich aufbessern. Der mangelnde russische Widerstandswille hatte einen groĂen Beitrag zum Erfolg geleistet. Obwohl die deutschen Landungstruppen den Verteidigern zahlenmĂ€Ăig kaum ĂŒberlegen waren, rĂ€umten die demoralisierten und auch durch die Revolution desorganisierten Truppen ihre gut befestigten Stellungen meist sehr schnell und dachten nur noch an Aufgabe oder Flucht, und der Kampfeswille von zum Widerstand entschlossenen Einheiten wurde durch die Haltung ihrer Kameraden gelĂ€hmt. Entsprechend blieben die Verluste des Heeres mit 54 Toten und 141 Verwundeten verhĂ€ltnismĂ€Ăig gering, wĂ€hrend die Marine aufgrund des riskanten Einsatzes in dicht verminten flachen GewĂ€ssern unter Zeitdruck 156 Tote und 60 Verwundete zu beklagen hatte. Die Russen hatten weit empfindlichere EinbuĂen erlitten, ĂŒber 20.000 Soldaten gingen in Gefangenschaft, und unersetzliches Material war verloren oder dem Gegner in die HĂ€nde gefallen. Die Anzahl der russischen Verluste an Toten und Verletzten ist nicht bekannt.
Sowohl der Kaiser als auch Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg gratulierten den Verantwortlichen zum Erfolg. Beim Heer wurden die Obersten Mathiass und von Tschischwitz sowie Oberstleutnant Fischer fĂŒr ihre Leistungen mit dem Pour le MĂ©rite geehrt, bei der Marine erhielten die Admirale Behncke und Schmidt sowie KapitĂ€n Magnus von Levetzow und FregattenkapitĂ€n von Rosenberg ebenfalls diese Auszeichnung fĂŒr ihre Verdienste.cite-ref-91[91]
In dem weiter angespannten VerhĂ€ltnis zwischen der deutschen Heeres- und Marineleitung blieb das Unternehmen Albion das einzige Beispiel enger operativer Zusammenarbeit zwischen Admiralstab und Oberster Heeresleitung (OHL) im Verlauf des Ersten Weltkriegs, nur abgesehen von den gemeinsam erstellten Operationsplanungen fĂŒr einen Einmarsch in DĂ€nemark (âFall Jâ), zu dem es nicht kam, und der Eroberung der Ă
land-Inseln und Besetzung Finnlands im Jahr 1918, wobei die Marine hier nur Transportdienste leistete. Auch der im Ergebnis erfolgreichen Kooperation beim Unternehmen Albion lag kein gemeinsames gesamtstrategisches Interesse zugrunde, sondern im Vordergrund standen auf beiden Seiten die jeweiligen Eigeninteressen von Admiralstab und OHL. Wiewohl die Marine ihr Ansehen im Ergebnis der Eroberung der Baltischen Inseln steigern und in den letzten Kriegsmonaten sogar die Bildung einer formal gleichberechtigten Seekriegsleitung unter Admiral Reinhard Scheer und dem auf Ăsel hervorgetretenen Magnus von Levetzow erreichen konnte, setzte sich letztlich in allen wesentlichen Punkten der FĂŒhrungsanspruch der OHL durch.cite-ref-92[92]
Nach Ende der eigentlichen Landeunternehmungen fĂŒhrten die Schlachtschiffe noch einige Demonstrationen vor der lettischen und estnischen KĂŒste durch, die aber ohne gröĂeren Erfolg blieben und Verluste durch Minen forderten, woraufhin man von weiteren derartigen Unternehmungen absah. Zu den Einheiten des Sonderverbandes Ostsee stieĂen bald darauf auch noch das I. Geschwader der Hochseeflotte mit acht modernen Schlachtschiffen am 28. Oktober und die IV. AufklĂ€rungsgruppe am 30. Oktober. Auf dem RĂŒckmarsch zur Nordsee erhielt das Schlachtschiff Markgraf am 29. Oktober in der Irben-StraĂe zwei Minentreffer, 260 Tonnen Wasser drangen in den Wallgang ein, das Schiff konnte aber seine Fahrt ohne Schwierigkeiten fortsetzen. Bald darauf kehrten alle GroĂkampfschiffe und die meisten Kreuzer der Ostsee den RĂŒcken, am 2. November 1917 ĂŒbernahm Vizeadmiral Schmidt wieder das Kommando ĂŒber das I. Geschwader. Am nĂ€chsten Tag löste der Admiralstab den Sonderverband Ostsee auf.cite-ref-93[93]
Auf den eroberten Inseln wurde eine âRegierung der Baltischen Inselnâ geschaffen, die ihren Sitz in Arensburg nahm. Das Reserve-Infanterie-Regiment 255 und die 2. Radfahrerbrigade blieben als Garnison zurĂŒck. Der erste Gouverneur war Generalleutnant Adolf Freiherr von Seckendorff, der am 31. Oktober an Bord der SMS StraĂburg in Arensburg eintraf.cite-ref-94[94] Die baltendeutsche Oberschicht trat fĂŒr einen Anschluss der Inseln sowie Estlands und Lettlands an das Deutsche Reich ein. Dies entsprach aber nicht den WĂŒnschen der Esten, die einen eigenen Staat anstrebten und die verhasste Vorherrschaft des baltendeutschen Adels abschĂŒtteln wollten. Mit der deutschen Niederlage setzten sich die Esten schlieĂlich durch, und die letzten deutschen Soldaten verlieĂen die Inseln im Dezember 1918.cite-ref-95[95]
Nachwirkungen
Durch die deutsche Niederlage 1918, die sich hauptsĂ€chlich im Westen entschied, blieben die Ereignisse im Osten und mit ihnen auch Unternehmen Albion weitgehend unberĂŒcksichtigt. Die spĂ€tere Aufarbeitung der Geschehnisse hatte auf beiden Seiten andere Schwerpunkte, die Historiker der WestmĂ€chte und Deutschlands befassten sich vorwiegend mit den Ereignissen an der Westfront und in der Nordsee. In der neuen Sowjetunion wurde dem verlorenen Krieg kaum Beachtung geschenkt, da diese Niederlage dem zaristischen Regime und der provisorischen Regierung zugerechnet wurde. General von Tschischwitz veröffentlichte 1931 eine erste Abhandlung ĂŒber die Unternehmung, die u. a. bei den amerikanischen StreitkrĂ€ften Beachtung fand. Seltsamerweise jedoch fand Albion als Lehrbeispiel lediglich in Seminaren des Army War College Verwendung, und weder Navy noch Marine Corps scheinen ihm gröĂere Beachtung geschenkt zu haben. Die offizielle deutsche Veröffentlichung im Admiralstabswerk Krieg zur See. 1914â1918, der Band III Krieg in der Ostsee. Von Anfang 1916 bis Kriegsende, zu der Unternehmung erschien â bedingt durch den Zweiten Weltkrieg â erst 1964.cite-ref-96[96]
Trivia
Einer der 54 Gefallenen des deutschen Heeres war der Lyriker, Schriftsteller und Offizier Walter Flex, der am 16. Oktober 1917 seiner am Vortag erlittenen Verwundung erlag.cite-ref-97[97]
Die Landung auf Ăsel wird im Ego-Shooter Battlefield 1 durch die Map âAlbionâ reprĂ€sentiert.cite-ref-98[98]
Siehe auch
âą Unternehmen Beowulf: Eroberung von Saaremaa (Ăsel) und Muhu (Moon) durch deutsche Truppen wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs
Literatur
âą Michael B. Barrett: Operation Albion. The German Conquest of the Baltic Islands. Indiana University Press, Bloomington IN u. a. 2008, ISBN 978-0-253-34969-9.
âą Lutz Bengelsdorf: Der Seekrieg in der Ostsee. 1914â1918. Hauschild, Bremen 2008, ISBN 978-3-89757-404-5.
âą Gerhard P. GroĂ: Unternehmen Albion. Die erste âjoint operationâ deutscher StreitkrĂ€fte. In: MilitĂ€rgeschichte. Zeitschrift fĂŒr historische Bildung. Heft 3, 2004, ISSN 0940-4163, S. 4â7.
âą Paul G. Halpern: A Naval History of World War I. Naval Institute Press, Annapolis MD 1994, ISBN 0-87021-266-4, S. 213 ff.
âą Friedrich Ruge (Hrsg.): Der Krieg zur See 1914â1918. Band 3: Der Krieg in der Ostsee. E.S. Mitter & Sohn, Frankfurt am Main 1964.
âą Gary Staff: Battle for the Baltic Islands 1917. Triumph of the Imperial German Navy. Pen & Sword Maritime, Barnsley 2008, ISBN 978-1-84415-787-7.
âą Benedikt Raimund Zacher: Operation Albion 1917. A case study of Planning, Mission Command and Morale. In: Ad Securitatem (Tartu), Jg. 2019, S. 81â102.
âą Richard L. DiNardo: Huns with Web-Feet: Operation Albion, 1917. In: War in History, November 2005, Vol. 12, No. 4 (November 2005), S. 396â417, JSTOR:26061827.
Weblinks
Commons
: Unternehmen Albion
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Operation Albion: The Attack On The Baltic Islands von Gary Staff
âą Bericht aus dem GroĂen Hauptquartier ĂŒber die Einnahme von Ăsel
âą Landung auf Ăsel 1917, Stummfilm der Reichsstelle fĂŒr den Unterrichtsfilm von 1939 (18:14 min)
Einzelnachweise
cite-note-gross-11. â GroĂ, Unternehmen Albion. S. 4 f.
cite-note-22. â Ulrich Schiers: Von Harburg nach Finnland. Die Pionier-Landungs-Kompanie und ihr Einsatz im 1. Weltkrieg. Internationales Maritimes Museum Hamburg, Newsletter Ausgabe 4 (PDF; 1,3 MB), OktoberâDezember 2017, S. 3 (AnkĂŒndigung der gleichnamigen Sonderausstellung zum 100. Jahrestag des Unternehmens Albion am 16. Oktober 2017; abgerufen im MĂ€rz 2025).
cite-note-33. â Von Ende Februar 1918 bis Ende Mai 1918 bestand ein gleichnamiger Verband unter dem Kommando von Konteradmiral Hugo Meurer.
cite-note-44. â Staff, S. 3, 4.
cite-note-55. â Barrett, S. 69.
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cite-note-9292. â Gerhard P. GroĂ: Das GroĂe Hauptquartier im Ersten Weltkrieg (= Zeitalter der Weltkriege. Band 24). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-078000-0, S. 123 f.
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cite-note-9696. â Barrett, S. 235.
cite-note-9797. â Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 1723 vom 27. November 1917 (PreuĂen 999), S. 21789 (Flex, Walter, Ltn. d. R. â 6. 7. Eisenach â gefallen.).
cite-note-9898. â Electronic Arts: Albion: Alles, was du wissen musst. 2. September 2017, abgerufen am 6. MĂ€rz 2025.